zur Geschichte
 
  Zur Geschichte des fairen Handels

Die Entstehung des fairen Handels geht bis auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Damals begannen westeuropäische Wohltätigkeitsorganisationen mit ersten Hilfsmaßnahmen. 1959 wurde in den Niederlanden die erste alternative, nicht an Gewinn orientierte Handelsorganisation gegründet und 1969 ebenfalls in den Niederlanden (Breukelen) der erste Weltladen, der von Freiwilligen betrieben wurde.

Schlagartig wurden anschließend in anderen westeuropäischen Ländern und auch in Deutschland Weltläden eröffnet. Das Sortiment beschränkte sich damals noch auf handwerkliche Produkte. Erst 1973 wurde der erste fair gehandelte Kaffee verkauft.

Die konkrete Idee des “Fairen Handels” entwickelte sich aus den politischen Auseinandersetzungen der 60er Jahre. In dieser Zeit wurde der faire Handel zunehmend als Zeichen gegen den Neoimperialismus verstanden. Studenten begannen damals, massive Kritik an den Geschäftsstrategien internationaler Konzerne zu üben. Das weltweite Modell der freien Marktwirtschaft wurde zunehmend angegriffen. Man forderte, dass der Preis mit den tatsächlichen Kosten direkt verbunden sein muss und alle Hersteller gleichen Anspruch auf den Zugang zu den Märkten haben sollten. Darauf basierend entstanden die Ideale des fairen Handels. Damals begann man auch damit, den Handel mit politischen Inhalten zu verbinden, indem man den Verbrauchern Hindergrundinformationen über die Situation in den Herkunftsländern vermittelte. Auch begann man damit, Märkte für Produkte aus den Ländern zu finden, die aus politischen Gründen von wichtigen Welthandelsprogrammen isoliert worden waren. So verkauften damals tausende Freiwillige Kaffee aus Angola und Nicaragua.

Aus der Notwendigkeit heraus, die Weltläden zu modernisieren und zu erweitern und den Gedanken des fairen Handels auch auf die Landwirtschaft auszuweiten, kamen in den 80er Jahren zum bisherigen Sortiment auch landwirtschaftliche Produkte, wie Kaffee, Tee, getrocknetes Obst, Kakao, Reis, Gewürze u.a. hinzu.

Durch die Entstehung der ersten Initiativen für Fair-Trade-Siegel erfuhr der Faire Handel einen Aufschwung. Das erste Fair-Trade-Logo (“Max Havellar”) wurde 1988 durch die niederländische Organisation Solidaridad eingeführt. Die Kunden verlangten zunehmend nach einer Sicherheit, um den fair gehandelten Produkten und deren Herkunft bedingungslos vertrauen zu können. Die Einführung von Fair-Trade-Siegel brachte die Weltläden in eine bessere Position und machte damit die Produkte einer breiteren Masse zugänglich und gleichzeitig für diese interessanter. Seit dieser Zeit entstanden von Land zu Land unterschiedliche Logos. Inzwischen sind verschiedene internationale Siegelorganisationen unter dem Dach der Fairtrade Labeling Organization International (FLO) organisiert. Diese Organisation definiert die internationalen Standards für den fairen Handel und bringt die verschiedenen Labels unter ein Dach. Sie kontrolliert die Produzenten und Händler, gewährt diesen Unterstützung und Hilfe und ist für die Zertifizierung zuständig.

In der heutigen Zeit ist der faire Handel zu einer ernsthaften Option für den konventionellen Handel geworden und ist bei weitem nicht mehr nur auf kunsthandwerkliche und landwirtschaftliche Produkte beschränkt. Er hat sich inzwischen auch auf industrielle Produkte (besonders im Textilbereich) und den Tourismus ausgeweitet. Der faire Handel ist überall dort anzutreffen, wo Produzenten wirtschaftlich benachteiligt werden oder aus politischen Gründen von wichtigen Welthandelsprogrammen isoliert werden.

 

Chahuaytire, Pisaq Cuzcop2200593

 

 

     
 
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