Asociación "Sumaq Maqui" Pachacutec, Callao
 

SUMAQ MAKIlima

Die Kooperative

Die Kooperative wurde im Jahr 2000 in Ventanilla, einem Bezirk der Region Pachakutec gegründet. Ziel der Kooperative war und ist, Handwerker zusammenzubringen und sie zu unterstützen und zu fördern. Es sollte eine Einheit von Handwerkern entstehen, um sich sowohl in der Produktion als auch beim Eintreten in neue Märkte zu verbessern. Dies geschieht auch durch die Teilnahme an Messen, Ausstellungen und Workshops, die gleichzeitig zur Kommerzialisierung der Produkte dienen und eine Interaktion mit anderen Handwerkern und potentiellen Kunden ermöglichen.
 
Zu Beginn war die Distanz zu umliegenden Städten das Hauptproblem. Es war sehr schwierig und zu dem sehr teuer und zeitaufwendig, die Rohmaterialen zu beschaffen und später die Ware von Pachakutec in die touristischen Zentren von Lima, Miraflores, Barranco, Pueblo Libre etc. zu transportieren. Ein weiteres Problem für die Handwerker war der sandige Boden. Pachacutec liegt zwischen Hügeln, sandigen Stränden und der Küste, besonders im Bezirk Ventanilla. Zu Beginn der Arbeit der Kooperative gab es keine Straßen oder gekennzeichnete Wege, alles war Sand. Wasserversorgung sowie Entwässerungs- oder Telekommunikationsservice waren ebenfalls nicht vorhanden.
 
Die Regierung jedoch errichtete und gewährte Lose für die Errichtung von Werkstätten. Jedes Mitglied der Kooperative bekam soviel Unterstützung von der amtierenden Regierung, dass es die entsprechenden Dimensionen der Werkstatt und Produktionsanlag realisieren konnte. Mit der Unterstützung durch private Banken schließlich, konnte die Errichtung der Werkstätten in die Tat umgesetzt werden. Zudem hat Pachakutec mittlerweile asphaltierte Straßen (Hauptstraßen) und unasphaltierte, aber gekennzeichnete Wege (Nebenstraßen).

Die Produzenten
Eine Vielzahl verschiedener Handwerker arbeiten mit der Kooperative zusammen. Jeder von ihnen hat die Techniken, Fertigkeiten und Fähigkeiten schon seit der frühen Kindheit gelernt, da die meisten von ihnen als (reine) Familienbetriebe tätig sind.

In jeder Werkstatt produzieren die Handwerker nur Produkte aus ihrem Bereich, zum Beispiel Strickwaren, Keramikartikel oder Kürbisprodukte. Diese aber können in Form, Muster, Farbe und Oberfläche variieren. Alle Handwerker einer Werkstatt sind in der Lage, jedes Produkt des Betriebes zu produzieren, eine Spezialisierung findet nur selten statt.

Mit folgenden Betrieben arbeitet Arte Indio zusammen:

  • Mauro Chipana und Antonia Quispe / Herstellung von Strickwaren
  • Mario Nolasco Chávez und Elizabeth Nolasco Chávez / Herstellung von Keramikartikeln
  • Constanza Choque Mamani / Herstellung von Keramikartikeln
  • María Canchumani / Herstellung von Kürbisprodukten
  • Jacinto Clemente Palomino und Basilia Guerra Bernardillo / Herstellung von Kürbisprodukten
  • Eulogio Canchumani und Daria de Canchuman i/ Herstellung von Kürbisprodukten

Herstellung von Kürbisprodukten
p1020277Der gesamte Produktionsprozess findet in den jeweiligen Werkstätten der Handwerker statt.

Neue Märkte und Kunden werden zum einen durch Referenzen und Empfehlungen von ehemaligen oder aktuellen Kunden gewonnen, zum anderen aber verkaufen einige der Handwerker ihre Produkte auch direkt in den verschiedenen Handwerkszentren Limas, wo sie ihre Produkte zunächst vorstellen, um dafür zu werben. Zudem wird an Messen und Ausstellungen teilgenommen, um in Kontakt mit potentiellen Käufern zu gelangen. Einige der Handwerker bieten ihre Ware auch in ihren Werkstätten in den Verkaufsräumen an.

Die Herstellung der Produkte

Informationen über die Herstellung der Strickwaren sowie der Keramikprodukte der Kooperative finden sie bei den jeweiligen Betrieben. (Mauro Chipana und Antonia Quispe – Strickwaren,Diese könnten hier wieder verlinkt werden. Mario Nolasco Chávez und Elizabeth Nolasco Chávez –Keramikartikel, Constanza Choque Mamani – Keramikartikel)
Für die Kürbisdekoration gibt es verschiedene Techniken. Die unterschiedlichen Bearbeitungstechniken werden dabei von allen Handwerkern der Kooperative, die mit Kürbisprodukten arbeiten verwendet. Meist ist ein Handwerker auf eine bestimmte Verarbeitungstechnik spezialisiert, diese können sehr rustikal, aber auch sehr fein sein. Da es pro Unternehmen mehrere Handwerker gibt, können sie meist Produkte mit allen Verarbeitungstechniken herstellen. Die Verarbeitungstechnik ist je nach Kunde unterschiedlich, es hängt davon ab, welches Oberflächendesign und welche Art von Kürbis der Kunde sich wünscht.
canchumuni05Zu Beginn jedoch, unabhängig von der späteren Verarbeitungsmethode, werden die Kürbisse gewaschen, um eventuelle Erdreste oder andere Materialien zu entfernen. Danach werden sie in der Sonne getrocknet und, wenn nötig, abgeschliffen. Der gereinigt Kürbis wird dann mit Öl bestrichen, um ihn für die Gravur und Bemalung weicher zu machen.
Eine Möglichkeit der Bearbeitung ist die Brandmalerei, entweder durch Verbrennen von Holz oder Kohle oder mit moderner Technik, mit einem Lötrohr und Gasbrenner. Die traditionelle Variante durch Verbrennung von Holz oder Kohle jedoch wird mittlerweile kaum mehr verwendet, da neuere Techniken effektiver und auch besser für die Gesundheit der Handwerker sind. Durch die Brandmalerei entstehen die verschiedenen Farben der Oberfläche des Kürbisses. Wenn die gewünschte Farbe zu stumpf ist, wird es mit dem Meißel nachbearbeitet oder die Konturen der Bilder werden mit weißer Farbe überzogen. Manchmal werden auch Lackfarben verwendet, um die Farben des Kürbisses besser zu nuancieren.
Zum Teil werden auch zuerst die Muster in den Kürbis geritzt und im Nachhinein die Konturen eingebrannt. Dies wird technische Gravur genannt. Durch immer besser entwickelte Werkzeuge können immer feinere und detailliertere Muster in den Kürbis "gezeichnet" werden.

Am Ende erhalten die Kürbisse eine Schicht aus Wachs oder Lack, um Glanz hinzuzufügen und somit ein schönes und helles Endergebnis zu erhalten. Dieser Effekt kann auf Wunsch der Kunden auch vermieden werden.

Die Qualitätskontrolle beginnt bereits beim Einkauf des Kürbisses. Nur die besten Kürbisse werden für die Verabeitung ausgewählt, um eine höhere Qualität zu erzielen. Die Erfahrung der Handwerker bestimmt die Qualität und auch das Endprodukt-Design des Kürbisses.
Die mögliche Produktionsmenge ist abhängig von der Verfügbarkeit des Kürbisses der in den Regionen Chincha, Trujillo und Chiclayo angebaut wird sowie von der Jahreszeit. Wenn es ein Problem mit dem Wachstum der Pflanzen gibt, hätte das große Auswirkungen auf die Produktion. Im Durchschnitt kann ein Handwerker 20 Kürbisse von normaler Größe an einem Tag produzieren.
Es gibt viel Konkurrenz unter den Handwerkern und jeder Kunde hat seine eigenen Vorlieben. Für den Export müssen einige Kriterien berücksichtigt werden, insbesondere bei der Verwendung bestimmter Materialien, wie zum Beispiel dem Lack. Diese dürfen nicht giftig sein oder gegen die Gesetze des Ziellandes verstoßen. Die verschiedenen Forderungen und Anregungen, die erfüllt werden müssen, sind je nach Land und Kunde sehr unterschiedlich. Kommen aber letztendlich auch dem Handwerker zugute.

Allgemeine Probleme

 Alle sind sich einige, dass der Standort Pachakutec ein Problem für den Produktionsprozess, den Vertrieb und die Vermarktung der Produkte ist. Der Transport der Rohstoffe aus den Großhandelsverkaufszentren nach Pachakutec sowie die Lieferung der fertigen Waren aus den Werkstätten der Handwerker zum Kunden erhöht die Produktionskosten.
Ein weiteres Problem ist die Anwesenheit des Sandes. Der Sand gelangt in die Werkstätten und haftet an den Oberflächen der Handwerksprodukte, beschädigt sie oder zwingt die Handwerker dazu, mehr Zeit für die Reinigung und / oder Wiederherstellung des Kunsthandwerkes aufzubringen.

Das Fehlen von Wasser-, Abwasser- und Telekommunikationsservice ist ein weiteres Problem.

Das feuchte Klima und die Nähe zum Meer bergen weitere Risiken, besonders für die Keramik- und Kürbisproduktion, da es direkten Einfluss auf die Produktion nimmt. Auf Grund der Feuchtigkeit der Umgebung erhöht sich die notwendige Trockenzeit bei der Keramikproduktion. Diese kann dadurch bis zu vier Wochen betragen. Bei der Kürbisverarbeitung wirkt sich die Feuchtigkeit negativ auf die Verbreitung von Schimmel und Mehltau auf der Oberfläche des Kürbisses aus, was dazu führt, dass die einzelnen Produkte nicht mehr verwendbar sind.

Informationen über die Region

Die Verkehranbindung von Pachakutec ist sehr schlecht. Im April 2010 wurden die zuvor nur sandigen Hauptstraßen asphaltiert und auch die kaum vorhandenen Nebenstraßen konnten verbessert werden. Dies ermöglicht zwar eine bessere Infrastruktur und Verkehrsanbidung des privaten und öffentlichen Verkehrs für die Handwerker, die Verbindung zur Innenstadt Limas erweist sich noch immer als kompliziert. Es gibt keine gekennzeichneten Bushaltestellen oder markierten Routen. Und noch immer ist es zeit- und geldaufwändig einerseits die Rohmaterialien zu bekommen und andererseits die fertige Ware zu verkaufen. Absatzmöglichkeiten in Pachakutec direkt gibt es kaum, so dass die Ware in umliegenden Regionen wie zum Beispiel Lima transportiert werden muss. Dies verringert die Gewinnspanne der Familien sehr.
Und selbst Lima ist ein kleiner Markt verglichen mit dem Handelsvolumen des Exportes. Die Verkäufe in Lima dienen dazu, das niedrige Einkommen der Handwerker zu unterstützen und eine Einkommensbasis zu schaffen.  Leider finden Exporte nur sehr sporadisch und meist nur zu bestimmten Terminen statt.

Momentan benutzen die Bewohner Pachakutecs hauptsächlich Moto-Taxis als Transportmittle innerhalb der Region. Aber es gibt auch öffentliche (Klein-) Busse, doch diese fahren noch recht selten und sind mit einem hohen Zeitaufwand verbunden.

Zusammenarbeit mit anderen Kooperativen

Die Kooperative ist im Moment nicht sehr aktiv. Daher gibt es auch keine Zusammenarbeit mit anderen Kooperativen. Die Mitglieder hoffen, das jedoch sehr bald verbessern zu könne, Arte Indio versucht hier, Hilfen zu geben.


Zusammenarbeit mit Arte Indio

Durch die Zusammenarbeit von Arte Indio konnten einige Verbesserungen erreicht werden. Einige davon halfen den Handwerkern individuell, andere gelten für die gesamte Kooperative.
Durch die Zahlung fairer Preise trägt Arte Indio dazu bei, die Lebensstandards der Handwerker kontinuierlich zu verbessern. Dies ist nicht selbtverständlich, da oft, besonders auch ausländische, Kunden versuchen einen Preisnachlass von den Handwerkern zu bekommen. Arte Indio akzeptiert die Preise und zollt somit der traditionellen Kunst auch Anerkennung. Die Familien werden darin bestärkt, dass ihre Arbeit einen sehr hohen Wert darstellen und sie bemühen sich so stetig darum, auch weiterhin höchste Qualität zu erzielen. 

imgp1961Zudem konnte Arte Indio vielen Handwerkern dabei helfen, sowohl ihre Produktionsprozesse als auch ihre Produktdesigns zu verbessern. In Zusammenarbeit mit den Handwerkern konnten viele neue Produkte entwickelt werden. Ursprünglich für den deutschen Markt entworfen, konnten sie auch an Exportunternehmen verkauft werden, die ihre Ware in andere Zielländer verschicken, was die  Umsätze steigern konnte.
Arte Indio verbesserte außerdem die Verträglichkeit der Produkte für den Endnutzer, aber damit auch für die Umwelt. Denn zu Beginn der Produktion wurden sowohl in der Keramikproduktion als auch in der Bearbeitung der Kürbisse bleihaltige Farben verwendet, was die Produktionsgrenzen gering hielt. Dies jedoch entspricht nicht den Standards des Fairen Handels. Zusammen mit Arte Indio konnte Alternativen entwickelt werden. Diese sind zwar in der Herstellung ein wenig kostenintensiver, Arte Indio und andere Fair Trade Unternehmen aber zahlen diesen zusätzlichen Preis gern, um damit die Qualität und Verträglichkeit der Produkte, aber gleichzeitig auch den Schutz des Produzenten verbessern zu können. 
Ebenso konnte Arte Indio der Kooperative den Anstoß geben, sich auf regionalen Messen und Ausstellungen zu präsentieren. Dies hilft einerseits die Produkte zu vermarkten, um so neue Kunden und Märkte zu finden, andererseits aber trägt es auch dazu bei, die Zusammenarbeit der Handwerkern anzuregen.
 
 
 
© 2018 Arte-Indio Kunsthandwerk aus Lateinamerika | aritso.net