Aktuelle Nachrichten


Aktuelle Nachrichten

 

  • 2015

Veranstaltung im Karibu Weltladen in Kronach/Bayern mit Arte Indio am 19.11.2016

Frau Fischer-Petersohn berichtet:

Musik verbindet – Im Karibu Weltladen musizieren Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf peruanisch

 

Wenn Herr Sanchez mit seinem kleinen Lieferwagen zu uns nach Kronach kommt, strahlt der ganze Laden südamerikanisch. Seine Freude ist spürbar, seine Freude darüber, dass er seine Bestimmung lebt. Der Peruaner lebt nämlich für den fairen Handel. 2x im Jahr besucht er uns und hat nicht nur neueste Waren im Gepäck, sondern auch große Kisten mit den verschiedensten Instrumenten aus seinem Land. Lädt uns ein mit ihm zu musizieren. Mit 18 Jahren hat er sein Land verlassen und in Moskau Musik studiert. Anschließend ist er in die damalige DDR gezogen, kurz vor dem Mauerfall, sagt er.

Dort arbeitete er lange Zeit mit Kindern und beschäftigte sich nur am Rande mit dem Fairen Handel. Jedoch verschoben sich mit der Zeit die Verhältnisse der beiden interessanten Arbeitsfelder zu Gunsten des Fairen Handels, der inzwischen einen größeren Raum in seinem Leben einnimmt. Und doch freut er sich immer wieder, wenn es die Möglichkeit für Projekte mit Kindern gibt.  

Sein Herz schlägt für die Musik und somit sind die Kinder aus dem Kindergarten Dörfles am Nachmittag und die Flüchtlinge aus dem Spital am Abend zu einem ganz besonderen Musikgenuss gekommen. Mit einfachen Bambusstäben bliesen alle ihren Ton – damit kann man kommunizieren – sagt Carlos Sanchez. Er dirigiert die Kinder und Jugendlichen und fordert sie auf, mit den Tönen zu reden. Die Freude war sichtlich groß, denn vor lauter Grinsen fiel das Blasen immer schwerer, bis alle lachten. Flöten in den unterschiedlichsten Größen und Formen wurden vorgestellt und ausprobiert. Sogar ein Horn aus richtigem Kuhhorn war dabei. Darauf zu spielen erforderte große Konzentration und Übung. Aber es gelang und die Freude darüber war riesig. Der ganze Nachmittag und Abend waren erfüllt von Freude, über die Grenzen. Groß und klein, Afrikaner und Peruaner, Musiker und Laien erlebten einen Tag der Freude über die Musik, die keine Grenzen kennt.

  • 2012

 

  • März 2012 

  • Februar 2012

27.2.2012: Fortbildung zum Fairen Handel und zur Markterschließung bei Sumaq Maki, Pachacutec, Ventanilla. Callao

Die Kooperative Sumaq Maki hat noch sehr große Probleme, ihre Gemeinschaft zu organisieren, und es fehlt an Wissen über elementare Marktzusammenhänge. Wenn dies aber nicht gewährleistet ist, ist auch eine Etablierung und eine Konkurrenzfähigkeit auf dem Markt nur schwer zu erreichen. Verwunderlich sind diese Defizite allerdings nicht, ist die Kooperative ja erst ein gutes Jahr alt. Zwar waren Teile der Mitglieder auch schon vorher organisiert, da die Regierung auf Betreiben der Handwerker Grundstücke für Handwerker auswies und so ein Viertel der Artesanos entstand, aber diese Vorgängerorganisation enttäuschte die Menschen eher, so dass sie aufgelöst wurde. Diese schlechten Erfahrungen kommen noch als Belastung hinzu, ist man nun sehr verhalten und misstrauisch gegenüber anderen. Doch hat man den Glauben, dass sich all die Schwierigkeiten besser in einer Gruppe lösen lassen, man sich eher auch entwickeln und etablieren kann und auch leichter in den Genuss von Förderungen kommt. So schlossen sich 40 Werkstätten unterschiedlicher Richtungen, von Keramikern bis Kürbisschnitzer, von Textilverarbeitung bis Schmuckherstellung, vom Möbelbau bis Taschen im Häkellook, zusammen. Denn in Pachacutec kämpft man auch noch mit ganz eigenen Problemen, die die Entwicklung zusätzlich erschweren. So herrscht über weite Strecken in diesem küstennahen Gebiet hohe Luftfeuchtigkeit, was bei den Menschen zu Atemwegserkrankungen und Asthma führt, aber auch für die Produktion eine Schwierigkeit darstellt, da viele Materialien, wie z.B. Kürbisse, nicht gelagert werden können, weil sie sonst Schimmel ansetzen. Auch wird man dem ständigen Staub und Sand, der durch die geographische Lage, aber auch durch die noch vielfach unbefestigten Straßen bedingt ist, nur schlecht Herr. Vor allem für die Keramiker ist dies ein Problem, da sich der Schmutz auch auf der Glasur absetzen kann. Dazu kommen die Schwierigkeiten aller Barrios jovenes: kein fließendes Wasser, schlechte Infrastruktur, kaum Internetzugänge, keine Freizeitbeschäftigung für die Kinder…

So sollte in der Fortbildung, zu der sich 12 Mitglieder aus unterschiedlichen Werkstätten anmeldeten, der Grundstein für eine bessere Zusammenarbeit, ein größeres Vertrauen untereinander und in den Markt gelegt werden. Anfänglich sah dies nicht so vielversprechend aus, denn zum vereinbarten Termin kamen gerade einmal 2 Teilnehmer, aber das ist auch Peru – die Uhren gehen hier etwas anders. Als dann doch alle so langsam ankamen, kam man sich in einer ersten Vorstellungsrunde etwas nähe, Bedenken und Wünsche konnten geäußert werden. Dann ging es vor allem darum, die Prinzipien des fairen Handels zu erklären, da diese gerade in den Herstellerländern, in denen auch kaum Wissen über ihre Rechte vorhanden ist, fehlen. Großer Unglaube machte sich breit, als den Mitgliedern erzählt wurde, wie man sich die Fair-Handels-Strukturen in Deutschland vorstellen kann: Da gibt es Menschen, denen billig nicht das Wichtigste ist, denen es wichtig ist, dass es auch den Produzenten gut geht und dass sich diese entwickeln können. Es gibt auch Menschen, die ehrenamtlich für die Produkte der Handwerker arbeiten, indem sie im Weltladen verkaufen oder Bildungsarbeit leisten. Dies schaffte bei den Produzenten mehr Vertrauen in den Kunden, auch wenn es für viele kaum zu glauben ist. Auf der anderen Seite ist damit auch eine besondere Verpflichtung der Produzenten verbunden, auch sie dürfen ihre Kunden nicht enttäuschen, müssen zuverlässig gute Qualität zu einem fairen Preis bezahlen – und einigermaßen pünktlich sein. Es fällt das Wort „Partnerschaft“. Ein Wort, das sich im Wortschatz vieler Händler und Produzenten, was den Markt angeht, nicht findet. Das ist eine neue Erfahrung für viele: transparente Partnerschaft vom Produzenten über den Ex- bzw. Importeur, über die Läden bis zu den Kunden. Dies soltle dann der Inhalt der 2. Einheit sein: Die Rolle der Produzenten in dieser Verkaufslinie, ihre Rechte und ihre Pflichten, die Möglichkeit der Markterschließung. Hier galt es neben viel Informationsarbeit (Wie funktioniert der Markt?) auch praktische Tipps zu geben: Wo sind Absatzmöglichkeiten – reale und virtuelle? Wie kann ich mich und meine Produkte gut präsentieren? Wie kann die Kooperative eine Messe vor Ort auf die Beine stellen?
Dies wurde sehr praktisch erarbeitet, denn jeder Teilnehmer hatte ein Werkstück dabei , das man auf seine Messetauglichkeit hin untersuchte. So wurden gelungen Objekte gelobt aber auch jeder Fehler und jedes altmodische Design von den anderen Teilnehmern wohlwollend kritisiert und am Ende eine Note vergeben. Eine ganz besondere Erfahrung, wenn ein schlecht vorbereiteter Vater von seiner sehr gut vorbereiteten Tochter eine schlechte Zensur erhält. Doch damit sollte es nicht genug sein. Man überlegte gemeinsam, gab Tipps für die ganz persönliche Verbesserung anhand des vorgestellten Produkts, ließ andere an den eigenen Erfahrungen partizipieren. Ein erster Schritt hin zu Kooperation an Stelle von Konkurrenz und Misstrauen. Auch wurden Schwierigkeiten und Weiterentwicklungsmöglichkeiten der individuellen Märkte untersucht, die oft sehr eingeschränkt sind, da man nur einen kleinen Stand vor einer Schule betreibt. Andere verkaufen schon international, haben aber Angst den nächsten Schritt zu gehen, weil ihnen das Selbstbewusstsein fehlt oder sie kein Vertrauen in den Partner haben, da sie schlechte Erfahrungen gemacht haben. Den Abschluss machte eine Zukunftswerkstatt, in der man kurzfristige, mittelfristige und längerfristige Ziele formulierte. So sollte binnen einer Woche Informationen für die Gestaltung eines Flyers gesammelt werden. In einem Monat sollte ein Tag der Handwerker ausgerichtet werden und als länger fristiges Ziel denkt man an einen gemeinsamen Messeauftritt in Peru nach, wo man sich einem internationalen Publikum stellen will.

Die fünfstündige Fortbildung kann nur ein Mosaikstein sein hin zu einer Entwicklung zu mehr Eigenständigkeit und einen damit verbundenen höheren Lebensstandard, vieles muss sich noch in nächster Zeit entwickeln, dabei wird die Kooperative aus Deutschland auch weiterhin über Emailkontakt unterstützt werden. Denn viele sind sehr interessiert daran, sich weiterzuentwickeln, zusammenzuarbeiten und sind so sehr dankbar für jede Hilfe und Anregung, die sie bekommen. Im nächsten Jahr kann es dann vielleicht noch einmal einen Aufbaukurs geben, dann eventuell mit dem hochgesteckten Ziel eines gemeinsamen Messebesuchs.

  • Februar 2012

 

23.2.2012 Jatari Wari

jatari_1Um 11.00 Uhr in Chorillos, einem Stadtteil Limas, rechtzeitig anzukommen, sollte man nicht viel später als 9.00 vom Zentrum aus losfahren. Auf einer fast 2-stündigen Fahrt quer durch die Stadt immer an der Küste entlang durchkreuzt man die verschiedensten Stadtviertel mit ihren Bewohnern aus den unterschiedlichen sozialen Ständen. Über ein- bis zweigeschossige Funktionsbauten, die durchsetzt sind von Betrieben, die Arbeitsplätze bieten, bis hin zu den modernen Hochhäusern und Villen in Miraflores und Barranco, von wo aus man einen fantastischen Blick auf die Bucht Limas hat. Das letzte Stück bringt uns ein Taxi in Chorillos, das vor allem aus Bewohnern der umliegenden Regionen, wie Ayacucho, besteht, durch kleine unbefestigte Gassen zum Vereinslokal der Kooperative Jatari Wari. Wir haben es allerdings nicht geschafft, erst kurz nach 11.00 Uhr kommen wir aufgrund des Verkehrs dort an, fast alle Mitglieder der Kooperative warten schon.

jatari_2In einer ersten Runde geht es um Fragen, die die Kooperative hat. Sie interessieren sich vor allem für die Möglichkeit der Vermarktung. Ein Plakat, das bei einer Fortbildung entstanden ist, zeigt auch, dass sie sich der Weltwirtschaftslage und ihrer Grenzen, aber auch ihrer Chancen bewusst sind. Ein weiterer Schritt in der doch raschen Entwicklung dieser Kooperative, die nur aus Keramikern der Ayacucho-Region besteht. War die Kooperative zu Anfang noch eine reine soziale Einrichtung, die sich gemeinsam um den Straßenbau kümmerte, die Feste ausrichtete, für Bildung sorgte, erweitert sich die Zusammenarbeit nun dahin, dass man gemeinsame Absatzwege sucht. Dazu sind unsere Erfahrungen zu Märkten und Messen sehr willkommen.

jatari_1Danach besuchen wir die Werkstätten selbst, es ist gut organisiert und wir werden wie Staffelhölzer von einer Werkstätte zur nächsten gebracht. Es zeigt sich, dass diese Kooperation es geschafft hat, ihre Chancen in der Gemeinschaft zu sehen, ohne Angst vor gegenseitige Konkurrenz zu haben. Freundschaftlich geht man miteinander um, keiner muss Angst haben, dass Modelle kopiert werden. Denn jeder hat seine Nische gefunden, bedient einen anderen Markt. So gibt es eher die verspielten Modelle für den amerikanischen und italienischen, die peruanischen Deko- und Glücksartikel für den einheimischen Markt. Jeder arbeitet mit anderen Farbpaletten, manche trauen sich eher an die moderne Varianten, andere bleiben eher beim traditionellen. Aber fast alle zeigen neue Modelle. So ist es beeindruckend, wie sich viele weiterentwickelt haben, sie zeigen eine enorme Qualität, fein ausgearbeitete Details. Das Schöne ist auch, dass wir heute aus dem Vollen schöpfen können, da wir Muster für die Weihnachtssaison suchen (etwas seltsam: im Februar bei 30 Grad) und dennoch ist es schwierig, sich zu entscheiden, weil wirklich sehr viel Schönes dabei ist, was wir unseren Kunden zeigen wollen.

So wird es auch 17.30 Uhr, bis wir uns mit knurrendem Magen, müde, aber sehr zufrieden auf den langen Heimweg machen.

 

 

 

22.02.12 Eine Warensendung geht auf Reisen

sendungBis die Ware in den Händen der Kundinnen und Kunden liegt, hat sie einen weiten Weg hinter sich gebracht und eine noch längere Zeit im Wartezustand verbracht.

Schon 1-2 Jahre im Voraus werden Muster geordert, um sie Kunden auf Messen und Veranstaltungen zu zeigen und so zu testen, ob sie auch Anklang finden bei unserem Kundenkreis. Dann erst kann es in die Produktion oder in die Weiterentwicklung gehen. Sind die Waren dann geordert, beginnt das Warten auf die Anlieferung durch die Handwerker. Denn der Zeitbegriff hier in Peru ist dehnbar, eine Zeitspanne nur Orientierung. So wächst die Spannung, ob nun alle wichtigen Saisonartikel noch in die Luftfracht gelangen und damit rechtzeitig zu Ostern oder Weihnachten ankommen, ob feuchtigkeitsempfindliche Ware, wie Wolle, Felle, Kürbisse, rechtzeitig geliefert und die riesigen Pakete mit einer Spedition zum Flughafen gebracht werden können. Man baut hier schon von allen Seiten Puffer ein, weil man um die Dehnbarkeit des Zeitbegriffs weiß. Der Flugtermin müsste dann zwar um eine ½ Woche verschoben werden, da es nur montags, mittwochs und freitags Frachtflüge gibt, wäre aber kein Beinbruch. Am Freitag sollten die gesamten Produkte im Lager sein, um alles für den Flieger am Montag vorzubereiten, aber es wird Samstag …. Telefonate in den Tagen vor dem Flugtermin zeugen von der Betriebsamkeit. Manche Handwerker können nicht erreicht werden, andere haben Lieferschwierigkeiten, weil die Fahrt im Micro zu lange dauert, weil keines fährt, weil sie mit ihrer Ware nicht mitgenommen werden …. Zu knapp können wir die Ware aber auch nicht verpacken, da noch viel bürokratische Arbeit für Zoll und Steuer geleistet werden muss, wenn die Produkte eingetroffen sind. So ist es am Sonntag unabwendbar, der Flieger wird ohne unsere Ware fliegen, der Mittwoch soll es sein. Sonntagabend 22.00 Uhr die letzten Kürbisse treffen ein, Montag 10.00 Uhr auch ein paar letzte Vasenmuster sind jetzt in der Kiste verstaut. Nun können die Listen geschrieben werden für den Zoll - viel Bürokratie. Falls man etwas verschifft, was einem Original sehr ähnlich kommt, beispielsweise Huacos, muss man vorher noch zum Kulturministerium gehen und sich einen Unbedenklichkeitsstempel geben lassen, sonst könnte es sein, dass der Zoll am Flughafen einem Kulturgutschmuggel unterstellt, obwohl der Huaco erst 1 Woche zuvor vonangefertigt wurde. Hat man alle Produkte zusammen, alle Listen geschrieben, holt die Spedition die Ware ab und trotz aller Sorgfalt hofft man nun auf einen angenehmen Zollbeamten. Denn sollte der einen schlechten Tag haben, gibt es bestimmt etwas, was er findet, was noch überprüft werden sollte und die Lieferung muss noch einmal verschoben werden. So ist die Meldung der Spedition, dass die Fracht in der Nacht Peru in Richtung Deutschland verlassen hat, eine erwartete, aber dennoch erleichternde Nachricht. Und in 3 Wochen das Gleiche mit der Schiffsfracht….

21.2.2012 Besuch bei Gedión Fernandez (Tawaq)

 Den Besuch bei Gedión Fernandez verbanden wir mit einer Besichtigung der Puruchucu-Ruinen, einer Verwaltungsresidenz der Ichmas, die von den Inkas weitergeführt wurde. Die noch relativ gut erhaltenen Ruinen wurden vollständig restauriert, so dass man einen guten Eindruck von der, auch heute noch in ihrer kubischen Lehmbauweise sehr modern anmutenden, Architektur dieser Zeit erhält. Auf dieser Besichtigung begleitete uns Rodolfo, der Bruder von Carlos Sánchez. Zuvor ermöglichte er uns, seine kleine Fabrik für Pumpen in Augenschein zu nehmen. Ein Kontrastprogramm zu den Kunsthandwerkerwerkstätten. Aber auch diese groberen Schweißarbeiten stellen eine Kunst für sich dar. Da das Unternehmen, das momentan etwas 30 Menschen Arbeit gibt, sich gut entwickelt, wird es an einen neuen, größeren Standort wechseln, der der Zeit im Bau ist. Eine Entwicklung, die Hoffnung gibt, da es die gesunden mittelständischen Unternehmen sind, die den Menschen in Peru Arbeit geben, nicht die großen Konzern, die sukzessive vom Ausland aufgekauft werden. Auch auf andere Weise ringt das Unternehmen Respekt ab. Der Besitzer hat in großer Kraftanstrengung, auf sich alleine gestellt, vom schlecht entwickelten Bergland kommend, die Ausbildung zum Ingenieur absolviert und dann dieses nun expandierende Unternehmen aufgebaut. Wie sagt er so passend: „Wir sind alle intelligent, die Sache ist nur, wie wir es nutzen“. Eine optimistische Sichtweise, bei aller Intelligenz, viele bleiben bei den derzeitigen Strukturen doch noch auf der Strecke und brauchen Unterstützung.

gedión_tawaqAm Nachmittag besuchten wir einen Handwerker, der auch sein Leben in die Hand genommen hat und nun als Kapazität auf seinem Gebiet gilt. Gedíon Fernández, lange Zeit auch Präsident der CIAP, empfing uns in seiner Werkstatt in Vitarte, einer Stadt nahe Lima, die aber quasi mit ihr verschmolzen ist. Schon auf Gedions Internetseite konnte man sich über seine letzten Projekte informieren. Seine Spezialität ist eine Neuinterpretation alter Muster aus der Quinuaregion (Ayacucho), die er in verhaltenen Erdtönen kombiniert. Er bestückte Ausstellung mit überlebensgroßen Figuren, kann aber auch diesen Stil im Kleinen umsetzen. So blieb es nicht aus, dass wir beim Herumstreifen in der Werkstatt, immer wieder neue Stücke fanden, die man gemeinsam weiterentwickeln konnte. Etwas Verwunderung ernteten wir, als wir Verschiedenes für den Osterstrauch orderten. Dieser Brauch ist gänzlich unbekannt in Peru, einem Land, das das Frühlingserwachen nach einem strengen Winter nicht kennt. Aber voller Interesse wurde die Hintergrundinformation zur fremden Kultur aufgenommen und umgesetzt. Es war eine sehr intensive Stunde dort in der Werkstatt, in der die Ideen sofort vom Sohn des Hausherren in Ton geformt wurde. william fernandezEine Vielzahl von Mustern kam so in Auftrag, Traditionelles, aber auch Neues im unverwechselbaren „Gedión-Stil“, der etwas an den Kolumbianer Botero erinnert. Und man darf gespannt sein, wie unseren Kunden diese innovativen Stücke gefallen werden.

Auf dem Nachhauseweg fielen wir quasi über noch einmal über Keramik. Denn an der Microhaltestelle baute gerade ein Handwerker aus Cajamarca (im Norden von Peru) seine wenigen mitgebrachten Tonartikel auf. Gleich fiel uns die saubere Verarbeitung der Gebrauchsgegenstände in einem einfachen, aber ansprechenden Stil auf. Auch davon wanderten 3 Stücke in die Kiste für die Schiffsfracht – für uns Rohmaterial, das es noch weiterzuentwickeln gilt.

 

18.2.2012 Yunsa bei Ichimaywari

 In der Faschings- und vorösterlichen Zeit gibt es in Peru einen sehr schönen Brauch: Die Yunsa. Dabei wird an einem Tag ein Fest für das Dorf, die Nachbarschaft, den Verein o.ä. ausgerichtet. Man ißt gebratenes Hühnchen (Pollada), es gibt Spielturniere und Tänze. Doch der Höhepunkt ist das Treiben um den Yunsa-Baum. Ein wie der Maibaum in der Erde neuverankerter geschlagener Baum wird mit Geschenken behängt, die können T-Shirts, Decken, Haushaltsgeschirr usw. sein. In diesen Baum schlagen dann die Männer abwechselnd mit einer Axt ein. Zu Anfang geht es da noch recht stürmisch zu, aber je labiler der Baum wird, desto vorsichtiger werden die Attacken – denn, wer den Baum zu Fall bringt, ist der Padrino des folgenden Baums, d.h. er muss den Yunsa-Baum für das nächste Jahr bestücken. Die anderen freut es, denn sobald der Baum fällt, darf man sich über die Geschenke hermachen.

Zu so einer Yunsa lud uns die Kooperative Ichimaywari ein. Also keine eigentlicher Arbeitsbesuch, sondern die Pflege des Kontakts. Aber gerade diese nicht förmlichen Treffen sind wichtig, um die Beziehungen zu festigen, Vertrauen und Freundschaften aufzubauen. Hier kann man auch erleben, dass Kooperativen mehr sind als Zusammenschlüsse von Handwerkern, dahinter stehen Familien, ganze Viertel, die durch die Kooperative im sozialen Bereich profitieren, da man Gemeinschaft pflegt, sinnvolle Freizeitgestaltung anbietet.

Leider konnten wir nicht bis zur „Baumfällaktion“ bleiben, aber auch so war es ein sehr schönes Fest.

9.2.2012 Besuch bei der Partnerorganisation CIAP

prog_122Den Aufenthalt in Peru nutzten wir auch dazu, uns mit unserem Partner in Sachen Fairtrade, mit dem wir seit 3 Jahren einen Vertrag zur gegenseitigen Zusammenarbeit haben, in ihrem Hauptbüro in Lima zu treffen. So fuhren wir in die Firmenzentrale, wo uns das Vorstandsmitglied Jorge Chavez Loayza und zwei Mitarbeiterinnen erwarteten, in einem 3 stündigen Gespräch und einem nachfolgenden Mittagessen tauschten wir uns über anstehende Projekte aus. Unter anderem erfuhren wir vonem ein intessanten Vorhaben der CIAP, die Kooperativen in neuen Medien zu schulen, da diese oft der einzige Weg der Kommunikation darstellen. Dies stellt eine gute Ergänzung zu unserer Idee der systematischeren Schulung in Modulformen dar, die auch für die CÍAP interessant ist. Immer wieder stellten wir fest, dass auch dort an den gleichen Dingen gearbeitet wird wie bei uns. So entschied man sich für einen Austausch von Fortbildungsideen und auch Informationen. Ein nochmaliges Treffen ist dann für die Jahreshauptvesammlung im März geplant.

04.02.12 Besuch in der Frauenkooperative Tejesol, Huacho Lima, Peru

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Die 34 Frauen der Asociación treffen sich jeden Samstagnachmittag, um wichtige organisatorische Dinge, wie die Planung der nächsten Aufträge,  zu besprechen. So bot es sich an, diese Kooperative bei einer dieser Treffen im Februar zu besuchen.

Schon von Weiterem fällt das Haus in einer Einkaufsstraße in Huacho auf: Das  Firmenschild grüßt weithin sichtbar. Im Erdgeschoß befindet sich ein Laden der Kooperative, der zum Kaufen animiert, da die farbenfrohen Körbe, Geldbeutel, Blumen aus „Juncus“, einer Schilfart, in den gut sortierten Regalen leuchten. Wir erfahren von der Verkäuferin, dass das Weihnachtsgeschäft sehr gut gelaufen sei und man nun den Laden wieder neu bestücken müsse. Sie ist Handwerkerin der Kooperative Tejesol und nun für 15 Tage für den Verkauf zuständig, dann gibt sie diese Aufgabe für weitere 15 Tage an eine andere Frau der Kooperative ab. Im 2. Stock findet sich der Versammlungsraum, der auch zu wöchentlichen Schulungen genutzt wird. Das Haus wird gerade renoviert, ein neues Treppenhaus wird eingezogen. 

tejesolInsgesamt erwecken die bei der Versammlung anwesenden Frauen einen gut organisierten Eindruck, Wünsche werden sofort notiert und, wie Erfahrungen gezeigt haben, werden diese und auch Verbesserungsvorschläge schnell und gerne umgesetzt: Beispielsweise wird der „Juncus“ nun immer von einer festen Frauengruppe in einer bestimmten Farbe eingefärbt, um die Sättigung gleichmäßig zu halten. Fachmännisch begutachten sie im Anschluss an die Versammlung ein neues Modell und gleich werden Vorschläge für die Umsetzbarkeit gemacht. Eine Lösung ist auch schnell gefunden, denn eine Frau ist mit der Technik durch eine Fortbildung mit einer spanischen NGO vertraut, so wird an einem der Dienstage, an denen die Mitarbeiterinnen regelmäßig Fortbildungen erhalten, diese neue Technik an andere Frauen weitergegeben werden. Die Frauen sind an Neuerungen interessiert, zeigen auch einige neue Modelle in neuen Farbkompositionen. So adhoc entscheiden zu müssen, welche Kombination für uns in Frage kommt, fällt da nicht so leicht! Wenn man die Produkte sieht, hat man den Eindruck, dass hier die Fusion von Moderne und Tradition gelungen ist. Es macht Spaß, die Produkte anzufassen, da sie sehr stabil und dennoch leicht sind, das Flechtgewebe von äußerster Gleichmäßigkeit. Da freut man sich auf die Produkte, die man in Deutschland den Kunden präsentieren darf.

Die Frauen wissen aber auch, dass sie gute Arbeit leisten, so hat man wirklich das Gefühl, einen gleichberechtigten Partner vor sich zu haben, der selbstbewusst hinter seiner Arbeit steht. Arte Indio sieht sich hier als verlässlichen Geschäftspartner an, der gewährleistet, dass diese Frauen auch einen angemessenen Lohn für ihre qualitativ sehr gute Arbeit bekommen, aber auch immer wieder ein Feedback für ihre Arbeit und Ideen für Neuigkeiten, denn das ist die Herausforderung, der sie sich immer wieder stellen müssen, um sich auf dem Markt zu etablieren. 

 

 

Januar 2012

9.01.12 Besuch in der Frauenkooperative Casa Betania, San Martín de Porres, Lima. Peru

Casa Betania SMPWenn man sich dem Firmensitz der Kooperative Casa Betania nährt, fällt zunächst der gute Zustand des Hauses auf, was in Südamerika nicht immer unbedingt selbstverständliche ist. Ebenso muss man sich über eine Klinge anmelden, große Schlösser hängen an den Türen – die Sicherheitsstandards scheinen verhältnismäßig groß zu sein. Auf das Klingeln hin erscheint ein freundliches Gesicht im 2. Stock, eine Arbeiterin, die gerade dabei ist, einen Pullover zu stricken, heißt uns willkommen.
 
Im Haus selbst bestätigt sich dieser Eindruck: Sauberkeit, Ordnung, Struktur. Hier ist eine lenkende Hand im Spiel, die das Haus gut führt.  Eine Vitrine zeigt die Neuerungen und eine freundliche Mitarbeiterin gibt uns eine Hausführung, in allen Räumen zeigt sich das gleiche Bild: entspannte, konzentrierte Arbeit in einer übersichtlich gestalteten Umgebung – hier lässt es sich vernünftig arbeiten. Sehr freundlich und geduldig nimmt die Assistentin der erkrankten Geschätsleitung Verbesserungsvorschläge für die Zusammenarbeit an, es wird schriftlich festgehalten. Ein Unternehmen, dem man Vertrauen entgegenbringen kann, zumal an den Wänden gut sichtbar die Prinzipien des fairen Handels hängen und man sich auch daran orientiert.
 
Casa Betania SMP PeruSo könnte man den Eindruck gewinnen, dass diese seit mehr als 20 Jahren bestehende, eher als Therapieform für depressive Frauen gedachte, Vereinigung eine  einzige Erfolgsgeschichte ist, dass dieses Unernehmen fest auf eigenen Beinen steht und nur noch einen verlässlichen Partner braucht, der ihre Produkte zu fairen Preisen abnimmt.
Doch gibt es Bedarf an Fortbildungen in für das Unternehmen elementaren Fähigkeiten, die einmal über das Wohl oder Weh entscheiden können. Denn als potentielle Kunden erhalten wir nur wenig Informationen über neue Produkte. Man gewinnt den Eindruck, dass sie mit der Vermarktung ihrer qualitativ hochwertigen Produkte noch überfordert sind. Der Umgang mit Kunden, das Anpreisen der Ware muss noch gelernt werden. Dies könnte beispielsweise durch aktive Workshops oder Rollenspiele erreicht werden, in denen Verkaufsstrategien eingeübt werden können. Ein Bereich, in dem die Frauen – neben der geschäftlichen Partnerschaft – noch Unterstützung brauchen.

Besuch der Kooperative Sumaq Maki, Patchacutec, Callao. Peru
 
pachakutec sumac makiEs ist ein weiter Weg mit dem Micro raus nach Pachacutec, einem noch sehr provisorischen Stadtteil Callaos, der Hafenstadt Limas. In dem Maße, indem das Grau des Sandes und des Staubs zunimmt, nehmen die Steinhäuser ab. Im Stadtviertel der noch sehr jungen und unstrukturierten Kooperative Sumaq Maki erwartet uns der neugewählte Präsident Clemente in Vereinslokal einem einfachen Saal aus Brettern ordentlich zusammengezimmert. Das stellt ein unglaubliches Kapital der Kooperative dar: Ein Versammlungsraum auf eigenem Grund und Boden. Dort kommen langsam verschiedene Handwerker nach dem Aufruf über Lautsprecher zusammen. Etwas unsicher, wer welche Rolle übernehmen soll, entwickelt sich ein zögerliches Gespräch über die letzten Aktivitäten, das aber vor allem von Arte Indio gelenkt wird. Man spürt die Verhaltenheit der Menschen, die bisher eher enttäuscht waren von der alten Kooperative. Auch weiß man nicht so recht, wie in einer Kooperative gearbeitet werden kann, welche Aufgabe dort erfüllt werden sollen. Hier besteht noch viel Entwicklungsbedarf, mit den Handwerkern zusammen eine sinnvolle Arbeitsweise für die Kooperative zu finden, dazu sind Fortbildungen geplant. 
 
In den Werkstätten zeigt sich dann ein ganz anderes Bild: Voller Stolz werden neue Produkte und Innovationen im Arbeitsprozess präsentiert. So gibt es in der Werkstätte für die Herstellung von kleinen Stoffpüppchen seit Neuestem eine mit einem Ingenieure zusammen entwickelte kleine handbetriebene Maschine, die dabei hilft, die Drahtuntergestelle zu drehen, und damit den Frauen viel schmerzhafte Handarbeit abnimmt. Es ist schön zu sehen, wie die Menschen auf die Wertschätzung ihrer guten Arbeit und ihrer Fortschritte reagieren und wieder neue Motivation für ihre Arbeit erhalten. Auch am Materiellen wird dieser Fortschritt sichtbar: Manche haben ihre Werkstätten neu herrichten können oder das Haus, was so auch ihrer Arbeit durch mehr Sauberkeit und Übersichtlichkeit zugutekommt. Doch noch längere Zeit wird diese Kooperative auf tatkräftige Unterstützung angewiesen sein, vor allem auf das geschäftliche Knowhow.
 
Pachakutec Pueblo jovenDa es sich bei Pachacutec um eine sehr ärmliche Gegend handelt, die im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Boden gestampft wurde, kann man sich oft nicht vorstellen, dass man dort nicht in absoluter Perspektivlosigkeit versinkt und dass man dort vernünftig seine Kinder aufziehen soll. Doch das Viertel ist voller betriebsamer Geschäftigkeit, es bewegt sich etwas, viel Potential und Wille zur Verbesserung ist spürbar. Aber die Menschen brauchen dabei Unterstützung, vor allem für die Kinder und Jugendlichen, dem Kapital für die Zukunft, müsste mehr getan werden, beispielsweise durch vernünftige Freizeitgestaltung (vacaciones útiles) und Bildungsmöglichkeiten in Zusammenarbeit vielleicht auch mit einem externen Träger im In- oder Ausland.
 
  • 14. Thüringer Diafestival „Weltsichten“ vom 27. - 29. Januar 2012:

Wie immer am letzten Januarwochenende, startete das „Weltsichten-Dia-Festival in Saalfeld,  zu dem „Weltenbummler“ Axel Brümmer und Peter Glöcker alljährlich einluden.
Neben ausgewählten Vorträgen, wurden dort an drei Tagen eine Vielfalt an Workshops, Filmvorführungen und Newcomervorträgen geboten. Arte Indio war mit vertreten, um sein exotisches Kunsthandwerk aus Lateinamerika anzubieten und Interessierte über das Handwerk der dortigen indigenen Völker zu informieren.

  • ARTE INDIO „platzte aus den Nähten“

In den alten Räumen in der Nachtigallenstraße wurde es seit Langem schon zu eng. Die Arbeit dort wurde durch den zunehmenden akuten Platzmangel inzwischen erheblich behindert. So wurde beschlossen, sich nach geeigneten neuen Räumlichkeiten für Lager und Büro umzusehen. Die Suche dauerte ein halbes Jahr, aber im Herbst ist das ARTE INDIO-Team fündig geworden. In den ehemaligen Räumen einer Energie-Service Niederlassung fand man die Bedingungen vor, die man sich gewünscht hatte: zwei ebenerdig gelegene Lagerräume mit entsprechender Größe, ein weiterer zur späteren Erweiterung, ein helles großes Büro – und alles mit Heizung, viel Licht und Platz zur „Entfaltung“! ARTE INDIO hat hier zunächst seinen Platz gefunden, um seine Tätigkeit ungebremst weiterführen zu können. Es ist geplant, ein Abhollager für Weltläden und Kunden einzurichten. Interessenten können dies schon jetzt eingeschränkt in Anspruch nehmen. Eine vorherige telefonische Anmeldung wird jedoch angeraten.
Postadresse und Telefonnummern bleiben wie gehabt.

ARTE INDIO lädt im Frühjahr zur Eröffnungsfeier ein. Eine entsprechende Einladung wird rechtzeitig verschickt.

  • Eröffnung des Schmalkalder Weltladens in neuen Räumen

Am Mittwoch, dem 01.02.2012, folgten wir einer herzlichen Einladung des Schmalkaldener Weltladens. Dieser zog nämlich von der „Salzbrücke“ in die „Gillersgasse 1“ und feierte das Gelingen dieses Vorhabens. Nach der Übergabe eines Eröffnungs-Geschenkes und etwas „neuem Grün für neue Räume“,  erforschten wir bei fairem Tee oder Kaffee und kleinen Snacks die Räumlichkeiten des Weltladens. Dabei fiel uns immer wieder die sehr gelungene Ladengestaltung positiv auf. Die charmante Atmosphäre des neuen Ladens sowie die höfliche Beratung lädt nicht nur zum Shoppen, sondern auch zum Verweilen ein. Im Großen und Ganzen ist der neue Laden eine gelungene Präsentation unzähliger fair gehandelter Produkte aus den verschiedensten Regionen unserer Welt. Er ist größer, heller und vor allem besser zu finden. Wir wünschen dem Weltladen-Team in Schmalkalden, dass dieser Schritt die richtige Entscheidung war!

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