Handwerker Familie Geschwister Nolasco Chavéz
 

Mario Nolasco Chávez und Elizabeth Nolasco Chávez, Kooperative Sumaq Maki, Pachacutek, Lima. Peru

Das Unternehmen

Das Unternehmen der Geschwister ist ein reiner Familienbetrieb, in dem die Kunst der Herstellung von ton-basierten Keramiken von Generation zu Generation weitergegeben und unterrichtet wurde. Die Innovation neuer, komplexerer Designs und die Kundenzufriedenheit, so sagen sie, sind für sie das beste Training.
2000 bekamen sie die Werkstatt durch eine Übertragung des Eigentums. Das Handwerk wurde dann selbstständig entwickelt, ebenso die Produktionstechniken. Der Brennvorgang konnte zunächst nur improvisiert werden: Die an der Luft getrockneten Podukte wurden in einem mit Holz befeuerten Ofen gebrannt. Durch die Unterstützung der Regierung konnte einiges verbessert werden: Die Werkstatt konnte vergrößert werden, so dass es nun mehr Platz für die Rohmaterialien gibt. Diese können daher in größeren Mengen eingekauft werden, was den Preis senkt. Denn der Ton muss aus großer Entfernung angeliefert werden und die hohen Transportkosten erhöhen den Produktpreis deutlich. Zudem werden von der Familie mittlerweile auch industrielle Öfen verwendet. Dadurch kann die notwendige Trockenzeit des Tones reduziert werden. Problem hierbei ist, dass sie jedoch noch keinen eigenen industriellen Brennofen in ihrem eigenen Betrieb haben. Das heißt, dass sie entweder auf ihren herkömmlichen Holzofen zurückgreifen müssen oder die Produkte von einem anderen Unternehmen im Ofen brennen lassen.

Darüber hinaus werden inzwischen Farben, Blei enthalten, nicht mehr verwendet. Diese Veränderung konnte die Umweltfreundlichkeit und Verträglichkeit der Produkte deutlich verbessern, da sie nun internationalen Standards angepasst sind.  

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Das Produkt
Hergestellt werden Keramikprodukte jeglicher Art, Form und Farbgebung. Es gibt saisonale Artikel, so zum Beispiel auch Teelichthalter und Krippenfiguren für Weihnachten, ebenso wie traditionelle peruanische Figuren und Türschilder. Für den Herstellungsprozess wird zunächst ein Modell des späteren Keramikproduktes hergestellt. Mängel am Design werden dabei behoben und die Form wird aus Gips gegossen. Nach Herstellung der Gipsform kann mit der Serienproduktion begonnen werden. Sobald das gewünschte Motiv hergestellt ist, muss es an der Luft trocknen. Dieser Prozess kann einige Wochen in Anspruch nehmen – je nach örtlichem Klima und Jahreszeit. In nassen Wintern in Pachacutec zum Beispiel dauert dieser Prozess bis zu vier Wochen, im Sommer hingegen dauert der Prozess zum Teil nur wenige Tage. Wenn die Produkte vollständig getrocknet sind, kommen sie für einen Zeitraum von bis zu fünf Stunden in den Ofen. Danach werden sie aus dem Ofen genommen und es muss nochmals bis zu drei Stunden gewartet werden, bis das Produkt abgekühlt ist. Schließlich werden die Stücke bemalt, je nach Thema und Motiv, und auf Wunsch des Kunden auch lackiert. Die Produktionshöhe hängt damit von den klimatischen Bedingungen ab. Bei heißem Wetter zum Beispiel können bis zu 600 Keramikartikel in zwei Monaten produziert werden. Im Winter hingegen wird für die gleiche Menge ein Zeitraum von drei bis vier Monaten benötigt.
Eine Qualitätskontrolle wird während des gesamten Prozesses durchgeführt. Der entscheidende Teil des Fertigungsvorgangs findet während des Trocknens und Härtens im Ofen statt, denn dieser Zeitraum, in dem der Ton der Hitze ausgesetzt ist, bestimmt am Ende die Konsistenz und die Härte der Keramikprodukte. Alle Produkte werden auf die gleiche Art und Weise hergestellt. Wenn der Kunde spezielle Wünsche hat, kann der Brenn- und Härteprozess variiert werden. Zudem kann der Kunde auch darüber entscheiden, ob der Holz- oder Industrieofens verwendet werden.  Das Keramikgeschäft im Allgemeinen hat in den letzten Jahren sehr zugenommen und somit auch die Konkurrenz.  Die Erfahrung und das Talent der Handwerker bestimmen die Qualität des Produktes durch den Produktionsprozess. Auf diese Weise, so erzählen die Geschwister, können sich ihre Produkte von denen der Konkurrenz unterscheiden. Sie hoffen, dass auch in Zukunft beibehalten zu können.

Zusammenarbeit mit Arte Indio

Die meisten Kunden fordern eine Preissenkung der Produkte, vor allem wenn sie in großen Mengen kaufen. Arte Indio ist einer der Kunden, die die Preise zu einem fairen Preis kaufen, ohne zusätzliche Preissenkungen zu fordern.
Durch die Zusammenarbeit mit Arte Indio konnten die Umsätze zudem deutlich gesteigert werden. Es ist ein guter Kunde für eine Zusammenarbeit, der Kontakt ist immer sehr freundlich. Zudem geben sie kontinuierlich Feedback und neue Vorschläge. Diese können dann nicht nur für Arte Indio, sondern auch für andere Kunden verwendet werden, so dass die Produktpalette und damit verbunden auch die Anzahl der Kunden und der Umsatz erhöht werden kann.
Auch Vorschläge zur Optimierung des Herstellungsprozesses sind sehr wertvoll, weil sie oft zu steigender Rentabilität führen. Arte Indio macht sehr gute Vorschläge bei jeder Bestellungen und half unter anderem dabei, die Produkte besser den internationalen Standards, insbesondere den Richtlinien des Fairen Handels anzupassen. Die Produkte zum Beispiel werden nun nicht mehr mit bleihaltiger Farbe bemalt.

Chancen, Hoffungen und Probleme
Die Familie erhofft sich, die Kooperative zu erhalten und weiter mit ihr zusammenzuarbeiten. Sie hoffen auch, dadurch bessere Optionen bei dem Einkauf der Rohstoffe zu bekommen. Denn je größer die Einkaufsmengen, destso geringer der Preis. Wenn die Kooperative aktiver wäre, so sagen sie, könnte für alle Handwerker, die mit Lehm und Ton arbeiten, Rohstoffe zusammen und dadurch in größeren Mengen eingekauft werden – zu einem Preis der deutlich unter dem Preis liegt, den sie momentan für individuelle Einkäufe erhalten. Zudem gibt es Lieferanten der Rohmaterialien, die, ab einer Einkaufmenge von über 1000 kg, selbst für den Transport aufkommen. Diese Mengen sind für einzelne Handwerker nicht möglich, wenn die Kooperative dies aber ermöglichen könnte, könnten viele Kosten, die durch den Transport entstehen, eingespart werden.

Zudem wünschen sie sich eine bessere Strukturierung der Siedlung Pachacutecs. Die momentane Informalität erweist sich als Einschränkung, um zum Beispiel Unterstützung von Banken zu bekommen für den Ankauf von neuem Werkzeuge oder neuen Maschinen.
 
Der Familienbetrieb erhofft sich einerseits, die Produkte direkt an Kunden im Ausland verkaufen zu können ohne die Notwendigkeit von Zwischenhändlern, andererseits aber auch den Vertrieb der Ware im Inland zu vergrößern. Dafür benötigen sie eigene Transportmittel, da dies das Vorhaben erleichtern würde. Zudem möchten sie eine Förderung der Produkte durch regionale Messen und mit Hilfe des Internets ermöglichen, um ihre Vorhaben sowohl im In- als auch im Ausland realisieren zu können. Einige Schritte dafür haben sie schon getan und sie hoffen, ihre Ziele bald möglichst erreichen zu können. Ein großes Problem allerdings gibt es momentan noch in der Netz- und Internetabdeckung in Pachacutec, da diese nur sporadisch bis gar nicht vorhanden ist.  
 

 

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