Asociación de Artesanos Niño Rumi. Cangallo. Ayacucho
 

ayacuchoNiño Rumi
Name: Hanwerkervereinigung „Niño Rumi“
Lage: Chagolla, Distrikt Chuschi, Provincia Pampa Cangallo, Departamento Ayacucho. Peru
Produkte: Steinmetzarbeiten aus Piedra de Huamanga 


Die Vereinigung und Regionales

Chagolla ist eine kleine Dorfgemeinschaft 5h südöstlich von Ayacucho. Die Region ist durch große Armut und wenig Entwicklung gekennzeichnet, auch deshalb weil die Gegend sehr lange unter den internen Auseinandersetzungen des Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) und dem Militär gelitten hat, so stellt der Überfall des Sendero Luminoso auf Chuschi, bei dem acht Wahlurnen verbrannt wurden, den Beginn der militanten Bewegung dar. Nach der Beendigung der Kämpfe versuchten die Menschen wieder zum Alltag zurückzukehren, ihre kleinen Felder zu bestellen. Doch sind diese durch ihre Hanglage oft nicht profitabel und der Ertrag reicht nicht aus, so dass die Abwanderung in die Küstenregion und die Arbeit dort als Baumwollpflücker oft die einzige Möglichkeit des Überlebens darstellte. 
p1170907In der Gegend um Chagolla finden sich aber auch große Vorkommen des Piedra de Huamanga. Dieser alabasterähnliche Stein vulkanischen Ursprungs wird in den Steinbrüchen abgebaut und vor allem nach Ayacucho transportiert, wo eine lange Tradition der Verarbeitung zu Figuren des alltäglichen Lebens, aber auch vor allem zu Weihnachtskrippen besteht. Daher hat der Stein auch seine Bezeichnung im Volksmund: Niño Rumi (Stein des [Jesus-] Kindes), nach dem  sich die Vereinigung  ihren Namen gegeben hat. 
Durch die persönliche Initiative von Juan Licas kam es dort zur Bildung der Kooperative „Niño Rumi“. Licas selbst ist anerkannter Meister der Steinbearbeitung und gehört der vorbildlich funktionierenden und gut organisierten Kooperative „Rasuwillka“ in Ayacucho an. Er besucht häufig die Gegend um Chacolla, um Steine einzukaufen oder direkt vor Ort zu bearbeiten, so fiel ihm das Entwicklungspotential der Handwerker sowie ihrer Region auf und er regte den Zusammenschluss der dort ansässigen Handwerker an.

Das Produkt und seine Fertigung
 
p1170846-1Ca. 80% der Menschen arbeiten heute in Chagolla als Steinmetze, so dass die Produktion  von Steinfiguren auch einen Beitrag zur Stärkung des ländlichen Raumes darstellt und die Abwanderung verhindern hilft.
In kleinen, sehr versprengt liegenden Werkstätten, arbeiten Familien noch sehr traditionell mit dem weißen Stein. Es werden Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens, aber auch Dekoratives hergestellt. Nino Rumi Chacolla
Die Probleme dieser Vereinigung liegen vor allem noch im Fehlen innovativer Idee, aber auch die Zusammenarbeit gestaltet sich aufgrund der großen Entfernungen untereinander als sehr kompliziert. Eine andere Schwierigkeit stellt die Fertigung an sich dar. Denn häufig fehlt die Einsicht in Schutzmaßnahmen, so benutzen die Arbeiter eigentlich keine Masken, da sie sich der Gefahren des Steinstaubes nicht bewusst sind. 


Zusammenarbeit mit Arte Indio
 
p1180055-1Arte Indio möchte die noch sehr unstrukturierte Kooperative unterstützen. Dies geschieht durch die Unterstützung im Verkauf, indem ihnen nationale und internationale Märkte eröffnet werden, aber auch indem man in Arte Indio einen sicheren Partner (Direktvertrieb) für die Produkte gefunden hat. Ebenso werden den Handwerkern gerechte Löhne gezahlt, so dass ein Verbleib der Menschen in ihrer angestammten Gegend ermöglicht und die Tradition erhalten wird. Die Aufträge werden vorfinanziert, so dass die Handwerker auch hier Sicherheit haben, Investitionen tätigen können. Doch beschränkt sich die Hilfe nicht nur auf den Absatz der Produkte, sondern erstreckt sich auch auf die Entwicklung neuer Ideen und die Verbesserung der Sicherheitsstandards. So investiert Arte Indio seine Rückgewinne unter anderem in den Kauf von Atemmasken, um gesundheitliche Beeinträchtigungen der Handwerker auszuschließen.
 
Nino Rumi ChacollaDa es sich bei der Provinz Cangalla um eine sehr schlecht entwickelte Region handelt, die von großer Armut gekennzeichnet ist, hat sich Arte Indio dazu entschieden, diese Gegend auch über das geschäftliche Maß hinaus zu unterstützen. Dabei stehen die Kinder als die Schwächsten der Gesellschaft im Mittelpunkt: Von 2 Einzelschicksalen besonders betroffen, ging man Patenschaften für 2 Mädchen ein, um ganz konkret diesen beiden Kindern zu helfen:
  • Blanca Flor Sulca Quispe wurde 2006 geboren, im Alter von 1 Jahr verlor sie ihre Mutter, die sich mit 17 Jahren das Leben nahm. Seit dem lebt das Kind vor allem bei seinem Großvater, der die (finanzielle) Last aber kaum tragen kann. Arte Indio erhofft sich durch die Patenschaft für Blanca Flor, dass das Kind trotz des Verlustes seiner Mutter eine gute Entwicklung nehmen und eine fundierte Schulbildung erhalten kann. 
  • Delia Quispe Sulca wurde 1996 geboren, sie lebt mit 2 weiteren schulpflichtigen Geschwistern in ihrem Elternhaus, ihr Vater ist Kunsthandwerker. Im Alter von 13 Jahren wurde sie vergewaltigt. Durch den Missbrauch wurde Delia schwanger. Neben der Bewältigung der psychischen Belastung muss sie sich nun auch um ihren Sohn Pablo Antony kümmern. Zwar erfährt sie einen großen Rückhalt und viel Unterstützung in ihrer Familie, doch stellt die Doppelbelastung mit der Schule und der tägliche Überlebenskampf für das junge Mädchen eine Überforderung dar. Arte Indio erhofft sich, dass es Delia durch die monatliche Unterstützung möglich ist, ihre Schul- und spätere Berufsausbildung zu beenden, sich um ihr Kind zu kümmern, ohne an dieser Aufgabe zu zerbrechen.   
 
 
Der  Initiator und Unterstützer der Kooperative -                 
Meister Juan Licas Coronado (Asociación Rasuwilka, Ayacucho)
 
Juan Licas CoronadoAls Mitglied der Kooperative Rasuwillka in Ayachucho weiß er um die Vorteile der Organisation in Vereinigungen. So initiierte er die Bildung der Kooperative Niño Rumi in Chagolla, wo er sich selbst mit Piedra de Huamanga im dortigen Steinbruch versorgt und auch die Steine teilweise bearbeitet.
 
Juan Licas wurde in Acos Vinchos, geboren und wuchs dort bei seiner Mutter auf.
Mit 15 Jahren zog er nach Ayacucho, arbeitete dort als Assistent bei verschiedenen Bildhauermeistern, während er  am Abend seine Schulausbildung beendete. Diese ersten Jahre beschreibt er als nicht leicht für ihn, da er keinen festen Lohn erhielt, doch hatte er so die Möglichkeit, viele verschiedene Techniken zu erlernen.
Schon nach 3 Jahren entschied er sich, eigene Kunstwerke – vor allem religiöser Art – herzustellen. Ab 1974 besuchte er dann die Kunstschule „Bellas Artes“ in Ayacucho, musste diese aber aus Geldmangel nach nur einem Jahr wieder abbrechen. Nach einer einjährigen Lehrzeit in einem Meisterbetrieb in Lima zog er wieder zurück nach Ayacucho, wo er sich seine eigene Werkstatt aufbaute. Seit dem gab er schon vielen jungen Menschen die Möglichkeit, bei ihm in die Lehre zu gehen, mittlerweile betreiben eine Vielzahl von ihnen ihre eigenen Werkstätten.
Seit 1986 ist er Mitglied der Kooperative Rasuwilka, deren Vorsitzender er auch bereits vier Jahre war. Seit 2009 führt er immer wieder Fortbildungen bei der Kooperative Niño Rumi  zu Themen wie Design, Techniken und Geschäftsführung durch.
Er konnte zahlreiche Preise für seine herausragenden Kunstwerke gewinnen und nimmt immer wieder an Ausstellungen teil bzw. führt eigene Ausstellung durch.

 

 
     
 
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