MANTHOC, Movimiento de Niños, Niñas y Adolescentes trabajadores Organizados del Peru
   Name: Organisation MANTHOC (Movimiento de Adolescentes y Niños, Trabajadores Hijos de Obreros Cristianos)
Lage: Huaycan, Lima. Peru
Produkte: Herstellung von handbedruckten T-Shirts, Gestaltung von Grußkarten, Papetrie aus handgeschöpftem Papier, (Gedulds-) Spiele aus Holz

Gründung und Motive

Die Vereinigung der arbeitenden Kinder wurde 1976 in Lima gegründet. In einer Zeit, in der die Bevölkerung vom Militär unterdrückt wurde, kämpften die Väter mit Streiks für ihre Forderungen. Den Lohnausfall mussten die Kinder teilweise durch ihre Arbeit kompensieren. So entstand langsam „Die Bewegung der arbeitenden Kinder und Jugendlichen, Söhne und Töchter von christlichen Arbeitern“ (MANTHOC).

Das Arbeiten von Kindern ist in weiten Teilen Perus bzw. Südamerikas eine Realität, die teilweise wirtschaftliche Notwendigkeit ist, indem Kinder zum Lebensunterhalt ihrer Familie beitragen  oder ihr Schulgeld erwirtschaften müssen, aber die Arbeit von Minderjährigen hat auch einen kulturellen Hintergrund: Kinder haben schon immer bei der Versorgung der Tiere oder im elterlichen Betrieb geholfen, auch als Teil ihrer Ausbildung, sie sollten ja später diese Tätigkeiten weiterführen.
Doch kommt es heute oft zu Missständen: Kinder müssen Tätigkeiten verrichten, die physisch oder psychisch nicht ihrem Alter entsprechen (Arbeiten im Steinbruch, Prostitution), sie können nicht zur Schule gehen oder erhalten keine bzw.  keine gerechte Entlohnung.
   
Tätigkeiten und Zielsetzung

 Dem möchte MANTHOC entgegenwirken und setzt sich für die Rechte arbeitender Kinder ein. In mittlerweile 13 Departamentos wird mit über 4000 Kindern (sie selbst nennen sich NAT’s, niño/niñas y adolescentes trabajadores) gearbeitet.
Zu den Grundsätzen der Vereinigung gehört es, dass sich die Kinder selbst bestimmen, Erwachsene übernehmen bei den Treffen oder Aktivitäten nur beratende Funktion, mit der Zielsetzung, aus den Kindern mündige Bürger zu machen. In kleinen Gruppen wird über allgemeine Themen (wie z.B. Müll) oder auch persönliche Probleme (beispielsweise erlebte Gewalt und Ungerechtigkeit) gesprochen und gemeinsam nach gangbaren Lösungen gesucht, indem man z.B. gemeinschaftlich gegen die Ausbeutung durch Arbeitgeber vorgeht, indem man Protestaktionen startet oder die Polizei einschaltet. MANTHOC versucht, die Arbeit der Kinder mit der Möglichkeit von Bildung zu verbinden, in eigenen Häusern werden Bibliotheken mit Schulbüchern zur Verfügung gestellt, weil das Geld oft nicht für eigene Schulsachen reicht. 
 
 Seit 1987 führt die Organisation eigene Schulen, den Lehrplan haben Kinder zusammen mit den Lehrkräften erarbeitet, er orientiert sich so an der Lebenswirklichkeit der Kinder. Gelernt wird nicht in Klassen, sondern in Arbeitsgemeinschaften oft zu unüblichen Zeiten, am Wochenende oder am Abend, da die Kinder arbeiten müssen und so die normalen staatlichen Schulen nicht besuchen können. Ebenso gibt es eigene Werkstätten, in denen die Kinder im geschützten Rahmen wenige Stunden unter Anleitung adäquate Arbeiten verrichten. Hier können sie ihre Fähigkeiten austesten, weiterentwickeln, kreativ sein, bekommen Unterstützung und Wertschätzung. 
 
Um immer mehr arbeitende Kinder aus ihrer unwürdigen Situation herauszuholen, gehen die Mitarbeiter und Kinder von MANTHOC auf die Märkte, Straßen und vor die Fabriken, sprechen arbeitende Kinder an. Viele Kinder werden aber auch durch die Organisation der Freizeit, durch z.B. Sport- oder Musikveranstaltungen, erreicht, mit denen den Kindern ein Stück kindgerechtes Leben geboten wird.

Problematik

MANT HOC setzt sich bewusst für die Anerkennung von Kinderarbeit in einem bestimmten Rahmen ein, um den Kindern in ihrer jeweiligen Lage Unterstützung zukommen zu lassen. So ist für die Vereinigung Kinderarbeit nicht generell zu ächten, sondern die ausbeuterische Arbeit, die die Kinder physisch, psychisch oder emotional überfordert und ihnen damit die Möglichkeit für eine zukünftige Entwicklung durch persönliche Entfaltung und  Bildung nimmt. MANTHOC greift die bestehende Realität auf und arbeitet mit den Kindern daran, dass sie ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen und so auch zu einer Veränderung der Gesellschaft beitragen können, in der es einmal keine Kinderarbeit mehr geben muss.
Die Einrichtung finanziert sich über Spenden.

Das Produkt

 In der Werkstätte für die Gestaltung von Grußkarten arbeiten die jüngsten Kinder von 8 bis 14 Jahren. Unter Anleitung von Erwachsenen kreieren sie immer wieder neue Bilder für ihre Karten und können so in einem geschützten, würdevollen Rahmen einer Beschäftigung nachgehen, die ihnen eine gerechte Entlohnung, aber auch Wertschätzung und Respekt bringt. Auf kindgerechte Art und Weise erlernen sie wichtige handwerkliche Fähigkeiten, erhalten aber auch schon wirtschaftliches und organisatorisches Wissen für ihre Zukunft.
Die Postkarten werden in der Picado-Technik (Stichtechnik) gearbeitet, bei der kleine ausgestanzte bunte Teilchen zu neuen Bildern und Motiven aufgeklebt werden. Dabei lernen die Kinder, sich zu konzentrieren und ordentlich zu arbeiten, gleichzeitig können sie aber auch ihre Kreativität ausleben.
Ebenso ist man sich seiner Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusst, auch hier steht eine Wertevermittlung im Vordergrund.

Die Zusammenarbeit mit Arte Indio

 Das Thema Kinderarbeit ist in Peru immer präsent, so wird Arte Indio auch immer wieder mit diesem Problem konfrontiert.  Da jedoch die Arbeit von Kindern in Südamerika auf andere Art  motiviert ist als beispielsweise in Asien, oft eine notwendige Unterstützung der Familien durch ihre Kinder (noch) nötig ist und die Tradition die Mithilfe und das frühe Heranführen der Kinder an einen Beruf in der elterlichen Werkstatt vorsieht, sieht Arte Indio im Ansatz von MANTHOC eine interessante Möglichkeit, Kinder in ihrem Kindsein zu unterstützen, ihre Arbeit aber auch anzuerkennen. So entschied sich Arte Indio im März  2011 für eine Zusammenarbeit mit MANTHOC.
 Damit unterstützt Arte Indio die Organisation nicht nur im Verkauf der Waren (durch Direktvertrieb, Sicherung des Absatzes auf internationalen und nationalen Märkten, Sicherung der Finanzierung durch mögliche Vorfinanzierung und Unterstützung bei der Entwicklung neuer Produkte), sondern auch die Kinder durch eine faire Entlohnung und die Möglichkeit zur schulischen und persönlichen Bildung. Dazu wird durch einen Teil der Einnahmen auch die Organisation finanziert, so dass eine pädagogische und psychologische Begleitung der Kinder möglich wird.
 
 

 
      
 
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