Asociación de Mujeres Artesanas Kuyanakuy
 

Name:     Handwerksvereinigung Kuyanakuy
Ort:         Pamplona Alta, San Juan de Miraflores, Lima
Produkte: Patchwork, Bilder, Zeitungsständer, Weihnachtsdekorationen und andere Gegenstände aus Stoff

Der Name der Kooperative „Kuyanakuy“ hat seinen Ursprung in der Sprache der Quechua und bedeutet so viel wie „Lasst uns lieben“. Bei dieser Kooperative handelt es sich um den Zusammenschluss einer Gruppe von Frauen, die aus der ländlichen Region Ayacucho flohen, um der dort in den 80-er-Jahren herrschenden terroristischen und militärischen Gewalt zu entkommen. Hier einige Worte von Frau Juliana Quijano zu ihren Erlebnissen: „Es waren Jahre der Gewalt. Um das Jahr 1988 flohen Frauen vor allem aus Orten wie Ayacucho, Huancavelica, Yauyos, Cora Cora, Vischongo, Acocro und Cangallo. In dieser Zeit fanden in meinem Haus bereits 12 Familien Unterkunft, viele andere wurden bei Verwandten untergebracht. Die Kirchengemeinde „Jesuskind“ war für viele ein Ort des „Willkommens“. Mrs. Avelina und Frau Angela Hernandez unterstützten uns sehr, unter anderem auch mit medizinischer Versorgung. So suchten nach und nach immer mehr Frauen und deren Kinder an diesem Ort Zuflucht.

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Endlich hatten die Mütter mit ihren Kindern wieder einen Platz zum Spielen und Herumalbern gefunden. Murmel-Spiele, Springseil, Verstecken und Puzzeln halfen den von Gewalt Traumatisierten, die Erlebnisse zu verarbeiten. Doch es gab auch neue Probleme, die es zu lösen galt. So gestaltete sich beispielsweise die Verständigung untereinander als sehr schwierig, da die meisten Frauen kaum beziehungsweise wenig Spanisch sprachen.

Zum Zeitvertreib fertigte meine Tante gerne kleinere Handarbeiten aus Stoffresten, sogenannte „Arpillería“ [kleine Stoffbilder], an. Um den Frauen etwas Geld in die Taschen zu spielen und sie so unabhängiger werden zu lassen, machte sie die Frauen mit dieser Handwerkskunst vertraut. Jedoch waren die ersten Arbeiten von so geringer Qualität, dass niemand sie kaufen wollte.

Ohne uns jedoch davon entmutigen zu lassen, fertigten wir bald darauf einige Proben in der Größe von 25 x 25 cm an. Auf einem gut besuchten Touristenmarkt traf ich eine Bekannte, welche uns die Arbeiten gutherzig abkaufte, nachdem sie von unseren Problemen gehört hatte. Wir fingen an, Fortschritte zu machen. Kurz darauf gewährte uns die ONG „CEAS“ einen kleinen Kredit, so dass wir nun anstatt unsere Zeit mit Spielereien zu verbringen, professionell der Fertigung von Kunsthandwerk und dessen Verkauf auf den heimischen Märkten nachgingen. Ein wenig später traten wir dann mit der Fair-Trade-Organisation Minka in Kontakt. Zwischen 1991 und 1992 waren wir eigenständig genug, um die Kirche zu verlassen. So zogen wir in die verschiedenen Stadtteile, in denen wir nun wohnhaft sind. Mit der Unterstützung der Caritas gründeten wir eine Gemeinschaftsküche namens „Mamacha Carmen“ im Stadtteil Sagrado Corazón. Des Weiteren gründeten wir im Stadtteil „Amerika“ mit Hilfe der ONG „PRONAA“ ein Speisung mit dem Namen „Acuchimay“ für alle bedürftigen Familien.
Im Jahre 1993 wurde die ONG „SUYASUN“ gegründet, mit dem Ziel, den geplagten Frauen Therapie-Programme und psychologische Betreuung anbieten zu können. Auch diese ONG unterstützte die Frauen-Kooperative tatkräftig, welche nun anfing sich über ihre Produktionskosten Gedanken zu machen.

Ein weiteres Problem war, dass viele der Frauen Analphabeten waren. Um ihre Bezahlung jedoch entgegen nehmen zu können, mussten sie zumindest mit ihrem eigenen Namen unterschreiben können. Viele weigerten sich jedoch sogar, wenigstens ihre dies zu erlernen. So kam es, dass sich einige dazu bereit erklärten, zumindest ihre Initialen auf das Papier zu setzen und andere wiederum meinten, ein wirres Gekritzel müsse als ihre Unterzeichnung genügen. Zu diesem Zeitpunkt begannen wir damit, Arbeitskurse zu organisieren. Angemeldet wurden mehr als 30 Damen, jedoch beendeten nur zwei von ihnen erfolgreich das Jahr. Schon bald fingen wir damit an, wieder die traditionellen Feste unseres Volkes zu feiern. Zum ersten Mal in unserer neuen Heimat feierten wir das Fest der „Parccahuanca Acocro“. Es wurde Anis gekauft, traditionelle Gerichte zubereitet und Mais-Bier gebraut. Vielen Frauen kamen die Tränen bei den Erinnerungen an ihr Dorf. Im zweiten Jahr feierten wir mit Harfe und Violine und im dritten sogar mit einem Orchester. 
Bei einer Zusammenkunft der RELACC trafen wir 1995 auf die Organisation CIAP und lernten Frau Carol und Herrn Moner kennen. Die Zusammenarbeit mit der CIAP brachte uns enorme Verbesserungen in der Qualität und dem Design unser Produkte. Auch lernten wir, uns mit Dingen wie der Kosten-Rechnung auseinanderzusetzen, was zur Gründung einer Assoziation führte."

Die Organisation:
Um die Produktion zu erleichtern ist die Gruppe zentral organisiert. Je nach den Bedarf werden neben den monatlichen Hauptversammlungen weitere Treffen organisiert. Der Vorstand besteht aus 7 Mitgliedern.

Produktion und Vermarktung:
Der Verein selbst besteht aus 45 Mitgliedern, allesamt Frauen. Aktiv von ihnen sind 38 Personen. Alle arbeiten im Bereich der „Arpillería“. Die Ideen zum Design werden von mehreren Personen entworfen und auf die Fähigkeiten der Frauen abgestimmt.

Bei Auftragseingang wird die Produktion, der Materialeinkauf und die Arbeitsverteilung von den 7 Personen im Vorstand organisiert und koordiniert. Sie sind für die Auftragsverteilung bis hin zur Auslieferung der Waren für den reibungslosen Ablauf verantwortlich. Dies alles geschieht in der zentralen Werkstatt. Wenn nur wenige Aufträge vorhanden sind beschäftigen sich die Frauen mit der Vorbereitung der Warenproduktion.

Um Aufträge bei Bedarf möglichst schnell abwickeln zu können, sind die Arbeiter in drei Ebenen unterteilt. Unterteilt wird nach Geschick und Schnelligkeit. Herrscht Termindruck werden die Aufträge vorrangig der schnellsten Gruppe zugeteilt, um die Kooperative insgesamt voranzubringen.

Oft arbeiten die Frauen auch von zu Hause aus, mit Hilfe der ganzen Familie, Ehepartnern, die eventuell selbst erwerbslos sind, oder einfach in ihrer Freizeit mithelfen. Viele von ihnen sind selbst Experten im Nähen. Selbst die Kinder übernehmen oft freiwillig einfache Aufgaben und helfen bei kleinen Dingen mit. Ein Komitee von 10 weiteren Personen überprüft nochmals die Qualität der Produkte und überwacht den gesamten Produktionsablauf. Gegebenenfalls greifen sie ein, um dem Produkt den letzten Feinschliff zu geben.

Leistung und Nutzen für die Partner:
Der größte Vorteil für die Frauen ist, dass sie eine Arbeit besitzen, vor allem dann, wenn sie alleinerziehend sind oder der Ehemann selbst erwerbslos ist. Die Gegenseitige Unterstützung und Hilfsbereitschaft ist auch ein großes Plus der Kooperative. So werden Spendenaktionen organisiert, wenn eines der Mitglieder erkrankt und sich die ärztliche Behandlung nicht leisten kann. Zu Weihnachten erhalten alle Mitglieder einen Geschenkkorb mit verschiedensten Lebensmitteln. Außerdem gibt es einen Notfall-Fond, damit Mitgliedern im Falle unvorhergesehener Ereignisse wie Unfällen oder Krankheiten geholfen werden kann.
Die meisten Frauen haben es geschafft, ihre Wohnverhältnisse deutlich zu verbessern. Zudem können sie sich auf eine starke Gemeinschaft verlassen, in der sie geschätzt und geachtet werden.
 
 

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