Ausland
 
ARTE INDIO Deutschland und ARTE INDIO Peru unterstützen zahlreiche Projekte in Peru. Doch achtet man stets darauf, dass dies mit den Menschen vor Ort geschieht, um ihnen nicht das Gefühl von Abhängigkeit zu geben und ihre Selbständigkeit zu wahren. 
 
Huanta, Region Ayacucho

huantaUm von der Hauptstadt des gleichnamigen Departamentos Ayachucho nach Huanta (19.000 Einwohner), der "Perle der Anden", wie sie auch genannt wird, zu gelangen, muss man eine Reise von 5 Stunden auf einer Schotterpiste in den Norden antreten. Hier leiden die Menschen, wie in der gesamten Region, immer noch unter den Folgen des bewaffneten Kampfes des „Sendero Luminoso“ (leuchtender Pfad) und des Militärs. Die lange vergessene, da von der Welt abgeschnittene, Region, hat noch wirtschatlichen Nachholbedarf. Langsam kommt es zur Entwicklung der eigentlich gesunden Struktur von kleinen Familienunternehmen. Zwar wird das für das tägliche Leben Notwendige erwirtschaftet, doch mangelt es an Geld für die Investitionen z.B in Schulbildung. Gerade für Kinder gibt es wenig Abwechslung vom alltäglichen Leben, wenig Entfaltungsmöglichkeiten individueller Fähigkeiten.
Arte-Indio erfuhr durch den persönlichen Kontakt zu Jorge Farfan, einem ursprünglich aus der Gegend um Huanta stammenden Erlanger Musiker,  von der besonderen Situation der Menschen dort. Sie unterstützen den schon seit vielen Jahren währenden persönlichen Einsatz Farfans, zu dem beispielsweise auch die medizinische Versorgung gehört, nun schon seit 2008 Jahren.

  • Spende für die Chocolatada (Weihnachtsfeier) der Kinder
img_3712Kurz vor Weihnachten ist es gute Tradition in Peru, dass Kinder an  einem Nachmittag mit Chocolate caliente (Heiße Schokolade) und Panetone (in ganz Südamerika und auch in den südlichen Ländern Europas beliebter Kuchen) bewirtet werden. Doch in einzelnen Regionen Südamerikas ist dieser Brauch für manche Menschen unerschwinglich.
Um den Kindern Huantas diese vorweihnachtliche Freude zu ermöglichen, unterstützt Arte Indio die Aktion Jorge Farfans, der mit gesammelten Spendengeldern die Lebensmittel für die Weihnachtsfeier stiftet, finanziell. Farfans Cousin, der als Bäcker in Huanta unentgeltlich die bis zu 1000 süßen Brötchen backt und die benötigte Schokolade kocht, verteilt vor Ort die Leckereien unter den zahlreichen Kindern oder auch einmal kleinere Spielsachen. Unterstützt wird dies auch durch die Hilfe der örtlichen Polizei bei der Verteilung und der Koordination.

  • Gitarren für die musische Bildung von Kindern
gitarrrenArte-Indio sieht nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung seiner Partner, die Förderung der Gemeinschaft und vor allem die Bildung der Kinder wird als genauso wichtig erachtet. Die Hilfe soll aber nicht von oben kommen, sondern bereits bestehende Strukturen und Initiativen vor Ort unterstützen. So entdeckte Carlos Sanchez  bei einem Besuch Huantas  einen in Ansätzen vorhandenen Musikunterricht, doch konnte sich dieser nicht entwickeln, da nur das eine persönliche Musikinstrument, die Gitarre des Lehrers, vorhanden war. Um der musischen Bildung von Kindern einen Anstoß zu geben, finanzierte Arte-Indio in den letzten zwei Jahren sechs Gitarren und unterstützt damit das  Engagement der Menschen vor Ort, so dass jetzt wesentlich mehr Kinder über eine Schule erreicht werden können und mittlerweile mehrere Lehrkräfte gegen geringes Entgelt oder sogar ehrenamtlich die Kinder unterrichten. 

Pachakutec, Callao

 Pachakutec, ein Stadtteil Callaos, der Hafenstadt, die mit Lima zu einem Komplex verwachsen ist,  ist eines der euphemistisch genannten pueblos jóvenes (junge Stadtbezirke). Menschen aus den Provinzen, in denen sie kein Auskommen mehr finden, keine Perspektive für sich und ihre Familien sehen, versuchen sich am Rande der Stadt, in der Nähe zur Hauptstadt, anzusiedeln und tauchen in den neuen, wild entstandenen Vierteln unter, in der Hoffnung, dort bessere Bedingungen für ihre Familien zu finden. Die Versorgung mit den menschlichen Grundbedürfnissen, wie Wasser oder Strom ist nur sehr unzureichend gewährleistet, so muss das Wasser für viel Geld von einem mobilen Verkaufsstand (LKW) erworben werden. Doch ist auch dort Aufbruch und Entwicklung zu spüren. Wo sich Menschen ansiedeln, bilden sich gemeinschaftliche Strukturen, entstehen Märkte, Handwerk. So werden Tatsachen geschaffen und nach Jahren des „Wildwuchs“ setzt eine Urbanisation ein, es kommt zur Versorgung mit dem Notwendigsten. 
Im Stadtteil Patchakutec haben sich so mehrere Artesanos (Kunsthandwerker) verschiedener Richtungen, wie Textil-, Keramik- oder Kürbishandwerker, zur Kooperative Sumaq Maki zusammengeschlossen, um ihre Chancen durch Zusammenarbeit zu vergrößern. Mit den Handwerkern der  Asosiación pflegt Arte-Indio schon längere Zeit gute geschäftliche Kontakte. Viele Handwerker konnten sich in dieser Zeit weiterentwickeln.
 
  • Ausrichtung einer Chocolatada (Weihnachtsfeier) der Kinder
Vor Weihnachten 2011 trat die  Asosiación de Artesanos Sumaq Maki in Person ihres neu gewählten und sehr aktiven Präsidenten Jacinto Clemente Palomino mit der Bitte an Arte-Indio heran, die traditionelle Chocolatada, Weihnachtsfeier, für die Kinder der Kooperative auszurichten. Denn die dazu benötigten typischen Lebensmittel, Heiße Schokolade und Panetone (süßer Kuchen, der üblicher Weise in Peru zur Weihnachtszeit gegessen wird), waren durch die Kooperative nicht finanzierbar und für die Familien unerschwinglich. So trug Arte-Indio die Kosten für  die durch die Kooperative organisierte Unternehmung, „um ihnen [den Kindern] einen Moment des Glücks zu schenken und ein Lächeln zu entlocken“, wie es Clemente in seinem Bittbrief an Arte-Indio formulierte. 

Chacolla, Region Chuschi

chacolla_01Chacolla ist eine kleine Ansiedlung 5h von Ayacucho entfernt. Die Region leidet heute noch an den Spätfolgen des internen Konflikts zwischen dem Sendero Luminoso (leuchtender Pfad) und dem Militär. Die Aufarbeitung der Erlebnisse sind noch lange nicht abgeschlossen. Auch ökonomisch hat diese Zeit die Gegend weit zurückgeworfen: Es gibt kaum Infrastruktur, keine Versorgung mit dem Grundlegenden. So ist die Armut der Menschen und die Perspektivlosigkeit leider zum Kennzeichen dieses Fleckens geworden. Die Menschen leben dort sehr abgeschieden auf ihren durch die Hanglage schwierig zu bestellenden Feldern, so dass die Landwirtschaft oft nur für den Eigenbedarf betrieben werden kann. Es finden sich in dieser Gegend große Vorkommen des Piedra Huamanga, einem alabasterähnlichen Stein, aus dem sehr häufig kleine Krippen gefertigt werden. Viele versuchen durch die Bearbeitung des weißen Steins so ein Zubrot zu verdienen.
Durch die persönliche Initiative von Juan Licas, einem Handwerker aus Ayacucho, kam es dort zur Bildung der Kooperative „Niño Rumi“.
 
  • Patenschaften für  zwei Kinder
Die soziale Not vieler Familien wurde bei einem Besuch von Juan Licas zusammen mit Carlos Sánchez, der mit der Kooperative „Niño Rumi“ in geschäftlicher Verbindung steht, offensichtlich. So entschloss sich Arte Indio, die Patenschaft für zwei Kinder, mit besonders eindrücklichen Schicksalen, zu übernehmen, um diesen bessere Chancen für ihre Zukunft zu ermöglichen. In monatlichen Spenden, die von Juan Licas verwaltet werden, werden nun die Kinder und ihre Familien materiell durch z.B. Lebensmittelkäufe, Wäsche oder dem Kauf von Schulsachen unterstützt:
 
•   blancaflor Blanca Flor Sulca Quispe wurde 2006 geboren, im Alter von 1 Jahr verlor sie ihre Mutter, die sich mit 17 Jahren das Leben nahm. Seit dem lebt das Kind vor allem bei seinem Großvater, der die (finanzielle) Last aber kaum tragen kann. Arte Indio erhofft sich durch die Patenschaft für Blanca Flor, dass das Kind trotz des Verlustes seiner Mutter eine gute Entwicklung nehmen und eine fundierte Schulbildung erhalten kann. 
 
•    Delia Quispe Sulca ist 1996 geboren, sie lebt mit 2 weiteren schulpflichtigen Geschwistern in ihrem Elternhaus, ihr Vater ist Kunsthandwerker. chacolla_04Im Alter von 13 Jahren wurde sie vergewaltigt. Durch den Missbrauch wurde Delia schwanger. Neben der Bewältigung der psychischen Belastung muss sie sich nun auch um ihren Sohn Pablo Antony kümmern. Zwar erfährt sie einen großen Rückhalt und viel Unterstützung in ihrer Familie, doch stellt die Doppelbelastung mit der Schule und der tägliche Überlebenskampf für das junge Mädchen eine Überforderung dar. So schreibt sie selbst, dass sie immer wieder aus der Schule nach Hause kommen muss, um ihr Kind zu stillen, auch reiche das Geld nicht für sie und das Kind, so dass sie keine Kleidung für ihren Sohn und keine Seife zum Waschen habe. Arte Indio erhofft sich, dass es Delia durch die monatliche Unterstützung möglich ist, ihre Schul- und spätere Berufsausbildung zu beenden, sich um ihr Kind zu kümmern, ohne an dieser Aufgabe zu zerbrechen. Von Delia wurde schon der Wunsch nach einer Patenschaft für ihren Sohn an Arte Indio herangetragen.

 
 
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