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Bewertung des
Weltladen-Dachverbandes
Sozial-
und Umweltverträglichkeit
Bei
Arte Indio arbeiten eine Mitarbeiterin in Teilzeit und eine Aushilfe,
PraktikantInnen sowie weitere Aushilfen bei Aktionen. Die Bezahlung
erfolgt angelehnt an den Tarif des Groß- und Außenhandels. Die
Arbeit im Inland stellt sich positiv dar. Lediglich durch eine
zusätzliche soziale Absicherung über den tariflichen Rahmen hinaus
könnte die Situation der MitarbeiterInnen noch verbessert werden.
Besonders fallen die Bemühungen im ökologischen Bereich auf, die
für ein vergleichbar kleines Unternehmen bemerkenswert sind. Im
Auslandsbereich wurde strukturiert an einer positiven Entwicklung
gearbeitet. So werden die ProduzentInnen aktiv darin unterstützt,
sich z. B. zu Kooperativen zusammenzuschließen, um die Arbeit zu
optimieren und Absatzchancen zu erhöhen. Außerdem wurde eine
Tochterfirma in Lima gegründet, die die Betreuung der ProduzentInnen
und die Abwicklung der Handelstätigkeit vor Ort übernimmt. Die
Maßnahmen in diesem Bereich sind sehr umfangreich und behalten die
lokalen Gegebenheiten im Blick, was ein hohes Maß an
Selbstbestimmung für die ProduzentInnen bedeutet. Einzig im
ökologischen Bereich stehen noch Verbesserungsmöglichkeiten offen,
die möglichst zeitnah umgesetzt werden sollten. In ihren politischen
Belangen vor Ort unterstützt Arte Indio die ProduzentInnen aktiv, z.
B. durch die Kooperation mit dem großen Zusammenschluss der
Handwerker (CIAP) in Peru.
Transparenz
Die
Transparenz der Geschäftspolitik ist gegeben; die Geschäftsberichte
wurden offen gelegt. Der an alle Kundinnen und Kunden verschickte
Jahresbericht gibt eine ausführliche und ausgewogene Auskunft über
die Geschäftspolitik und Aktivitäten von Arte Indio. Diese
Informationen sollen zukünftig auch auf der Website angeboten
werden. Kriterien zur Auswahl der direkten Handelspartner existieren
lediglich in Ansätzen. Die vorgelegte Musterkalkulation sollte
detaillierter und auf bestimmte Produkte bezogen sein.
Demokratische
Strukturen
Bei Arte Indio handelt es sich um eine vom Inhaber geführte Einzelfirma. Entscheidungen werden in Besprechungen von allen Beteiligten gemeinsam getroffen; diese Mitbestimmung ist auch schriftlich in den Arbeitsverträgen festgehalten. Wöchentlich findet eine Abstimmung der anstehenden Entscheidungen mit der Verantwortlichen in Lima per E-Mail oder Telefon statt. Eine formale Mitbestimmungsmöglichkeit für Weltläden gibt es nicht, wird jedoch praktiziert. Sowohl im Inland als auch im Ausland ist ein starker Wille zur Vernetzung zu sehen; sie wird umfangreich angestrebt und praktiziert.
Not
for Profit
Die
Rechtsform ermöglicht eine Privatisierung von Gewinnen in Form von
Privatentnahmen; davon wurde in den letzten drei Jahren kein Gebrauch
gemacht. Die erwirtschafteten Überschüsse wurden in
Büroausstattung, Renovierungen und Wareneinkäufe investiert. Im
Jahr 2008 spendete Arte Indio zum ersten Mal an verschiedene
Projekte. Für die Zukunft plant Arte Indio Investitionen in den
Ausbau des Internetshops und die Modernisierung der Lagerräume. Zur
Absicherung der Investitionen beim Wareneinkauf (incl.
Vorfinanzierung) existieren Rücklagen.
Informations-
und Bildungsarbeit
Die Informations- und Bildungsarbeit
hat SchülerInnen und Erwachsene bzw. KonsumentInnen im Blick. Arte
Indio möchte die Lebensrealitäten in Südamerika und die Anliegen
des Fairen Handels näherbringen sowie insbesondere über Musik und
Musikinstrumente Südamerikas informieren. Herzensangelegenheit dabei
ist es, die MitarbeiterInnen in Weltläden zu befähigen, die
Musikinstrumente kompetent zu verkaufen und über die (Musik-) Kultur
Südamerikas zu informieren. Auch werden Weltläden bei Aktionen und
Kampagnen aktiv unterstützt. Dieser Bereich nimmt etwa die Hälfte
der Arbeitszeit ein, was für eine solch kleine Firma sehr
umfangreich ist. Informationsmaterialien über die Produkte und
ProduzentInnen gibt es in Form von Flyern und abrufbar auf der
Website, für Weltläden darüber hinaus diverse Informationen in
schriftlicher Form, als Diavortrag oder als ausleihbare Ausstellung.
Die Materialien werden ständig aktualisiert.
Kontinuität
Die
Betreuung, Überprüfung und Beratung der ProduzentInnen findet durch
persönliche Besuche eines Firmenvertreters zweimal im Jahr statt.
Außerdem kümmert sich die Tochterfirma in Lima um die Kontakte zu
den ProduzentInnen. Die Zusammenarbeit mit den ProduzentInnen ist
langfristig angelegt. Entscheidungen über die Aufnahme von
Handelsbeziehungen werden von der Geschäftsleitung getroffen. Einzig
die Erstellung eines eigenen transparenten Kriterienkatalogs zur
Auswahl von HandelspartnerInnen wird angemahnt. Die Beendigung von
Handelsbeziehungen war bisher nicht notwendig und würde nur in
Ausnahmefällen passieren. Eine zinsfreie Vorfinanzierung von 100%
wird angeboten und von allen HandelspartnerInnen genutzt.
Gesamteindruck
Arte
Indio ist eine sehr kleine Organisation, die in den vergangenen
Jahren eine erstaunliche Entwicklung genommen hat. Diese ist vor
allem im Auslandsbereich in der Zusammenarbeit mit den
HandelspartnerInnen zu verzeichnen, da eigens eine Tochterfirma
gegründet wurde, um die Arbeit in Peru zu koordinieren. Die Arbeit
von Arte Indio orientiert sich stark an den Bedürfnissen der
Menschen in Peru und den Gegebenheiten vor Ort, ohne die Existenz der
Firma in Deutschland aus dem Blick zu verlieren. Es fand spürbar
eine Ausrichtung der Unternehmenstätigkeit an den Kriterien für den
Fairen Handel der Weltläden statt.
Die
Kriterien Sozial-
und Umweltverträglichkeit,
Demokratische Strukturen, Not for Profit und Info- und Bildungsarbeit
entsprechen der Konvention der Weltläden. Kleine
Verbesserungsmöglichkeiten bestehen bei den Kriterien Transparenz
und Kontinuität.
Der
Service für Weltläden ist als sehr gut zu bezeichnen.
Arte
Indio wird der „Konvention der Weltläden – Kriterien für
den Fairen Handel der Weltläden“ gerecht.
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